Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Rotbauchpapagei, Savannenbewohner mit Geschlechtsdimorphismus
Rotbauchpapageien leben in ostafrikanischen Savannen. Die Geschlechter unterscheiden sich deutlich, was die Art von vielen anderen Papageienarten abhebt. Es ist darum einfach für Züchterinnen und Züchter, Paare zusammenzustellen.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Poicephalus rufiventris
Unterarten: Poicephalus rufiventris pallidus, das Unterscheidungsmerkmal der Unterart zur Nominatform ist minim, unter menschlicher Obhut befinden sich wohl keine Vertreter der Unterart.
Herkunft: Ostafrika, Region Horn von Afrika, Tansania, Kenia, Äthiopien und Somalia
Grösse: 22 cm
Wildfarbe: orangerote Brust, Kopf und Nacken sowie Kehle und obere Brust graubraun mit rötlichem Anflug. Rücken und Flügel graubraun mit bläulichem Schimmer
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: Weibchen fehlt die orangerote Brust komplett. Es schimmern nur orange Federchen leicht durch das Brustgefieder
Ringgrösse: 7,0 mm
Lebenserwartung: 30
Platzansprüche: Empfehlenswert ist eine Zimmervoliere von ungefähr 2,5 x 1,5 x 2 Meter
Ausstattung: viele frische Äste, Wurzelstöcke, Badegelegenheit, Rindenmulch oder Sand am Boden
Stimme: helles Kreischen, im Vergleich mit anderen Papageienarten nicht sehr laut und nicht oft zu hören, manchmal auch plaudernde Stimmen
Haltung: paarweise
Herkunft und Geschichte
Vom ausgetrockneten Tarangire Fluss her klingt das Wiehern von Zebras in die flimmernde Hitze des ostafrikanischen Nachmittags. Einzelne Elefanten trotten im Flussbett und strecken ihre Rüssel in die wenigen Wasserlöcher. Ansonsten scheint alles zu dösen. Nicht ganz, denn aus einem Akazien-Busch innerhalb der Tarangire Lodge im Norden Tansanias fallen einzelne Blätter. Im Lichtspiel von Sonne und Schatten nesteln Rotbauchpapageien zwischen den Ästen an Blättern und Samenkapseln. Die dunkel befiederten Papageien sind kaum zu sehen, und sie verhalten sich bei ihren Aktivitäten ganz still. Nur die orangerote Brust der Männchen leuchtet aus dem Halbdunkel. Rotbauchpapageien gehören zu den Langflügelpapageien Afrikas und sind vom Norden Tansanias bis nach Äthiopien verbreitet. Sie leben in den typischen Savannen, die von Akazien und einzelnen Baobabs bestanden sind. Gegen den Abend hin weist Hussein Iddi, der Safariführer, auf ein Männchen hin, das in einem Sandpapierbaum Samenkapseln abknabbert. «In diesen Bäumen sind sie jetzt regelmässig zu sehen», flüstert der erfahrene Tierkenner, der seit Jahren mit Touristen die tansanischen Nationalparks erkundet. Normalerweise sind die Geschlechter bei Papageien gleich gefärbt, doch der Rotbauchpapagei bildet eine der wenigen grossen Ausnahmen. Nur die Männchen weisen eine solch markante orangerote Brust auf. Rotbauchpapageien kamen erstmals in geringer Anzahl 1920 nach England, starben aber dort bald wieder. Der London Zoo erhielt 1927 ein 1901 in Somalia von Hand aufgezogenes Exemplar, das länger lebte, vermutlich mindestens bis 1931. Erst ab 1980 wurden Rotbauchpapageien wieder in geringer Anzahl importiert. Es gelang, den Vögeln aus diesen Importen Bedingungen zu bieten, die sie dazu animierten, sich fortzupflanzen. 1983 gelang beispielsweise Dante Ferrari die Schweizerische Erstzucht der Exotis. So wurde diese Art langsam in den europäischen Volieren etabliert. Das war nicht einfach, denn die Sterblichkeit bei Jungvögeln war lange Zeit hoch.
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Eignung als Heimtier
Rotbauchpapageien sollten paarweise und mit Zuchtabsichten gehalten werden. Der Bestand unter Menschenobhut ist nicht sehr gross. Es ist darum wichtig, dass Vertretern dieser Art die Möglichkeit zur Fortpflanzung geboten wird.
Erwerb
Rotbauchpapageien werden selten gehalten. Bei wenigen Mitgliedern der Exotis, der schweizerischen Vereinigung für die Haltung und Zucht von Vögeln, ist der Erwerb von Nachzuchten der Rotkopfpapageien möglich. Die Exotis veröffentlicht eine Bestandesliste. Dies ermöglicht Kontakt zu Haltern und Züchtern der Art. Die Liste kann über die Homepage bestellt werden.
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Ernährung und Pflege
Rotbauchpapageien sind scheue Vögel. Erstaunlicherweise kommen sie oft erst in kleineren Innengehegen mit Abmessungen von 1,20 x 0,50 x 1 Meter zur Ruhe. Oft wird der Zuchttrieb ausgelöst, wenn ein Paar aus Volierenhaltung in eine kleinere Boxe in einem Innenraum mit diesigem Licht gesetzt wird. Die Temperatur im Schutzraum, wenn die Papageien in kombinierter Innen- und Aussenvoliere gehalten werden, sollte im Winter ungefähr 10 °C nicht unterschreiten. Obst und Gemüse aller Art und in Stücke geschnitten sollte täglich gereicht werden. Hinzu kommt eine Körnermischung für afrikanische Papageien. Manche Futtermittelhersteller, wie beispielsweise Versele Laga, bieten sie an. Sie enthält gestreifte und weisse Sonnenblumenkerne, Cardy, Hafer, Mais, Paddy Reis, Weizen, Buchweizen, Gerste, Kürbiskerne, Dari, Zirbelnüsse, Johannesbrot, Kanariensaat, Hanf, Hirsesorten, Milo, Hagebutten und Rote Peperoni. Kalk, Mineralien und Grit müssen stets zur freien Verfügung stehen. Frische Zweige werden benagt. Die Rinde und Knospen enthalten Mineralien, das Benagen bietet Beschäftigung. Auch eine Badeschale ist willkommen, obwohl sich manche Individuen lieber absprühen lassen.
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Zucht
Rotbauchpapageien nehmen verschiedene Nistkastentypen an. Der Innendurchmesser sollte etwa 20 bis 30 cm betragen, die Höhe kann bei ca. 45 cm liegen. Der Durchmesser des Schlupflochs sollte etwa 7 cm betragen. Oft erfolgen Eiablagen im Herbst oder früh im Jahr. Meist werden drei bis vier Eier im Abstand von zwei Tagen gelegt, die 26 bis 28 Tage lang bebrütet werden. Das Männchen hält meist Wache vor der Nisthöhle. Wenn die Eiablage durch den Winter erfolgt ist es notwendig, den Raum auf mindestens 20 °C zu heizen, damit die Jungen nicht klamm werden. Sie werden nämlich nur während den ersten gut zehn Tagen gehudert. Die Jungen verbleiben während zwei Monaten im Nest und werden von den beiden Altvögeln gefüttert. Auch nach dem Ausfliegen dauert es mindestens vier Wochen, bis die Jungen völlig selbständig sind. Nach einem Jahr hat sich das Erwachsenengefieder bei den Jungen ausgebildet.
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Lustig
Der Geschlechtsdimorphismus bei dieser Art führte sogar dazu, dass die beiden Geschlechter bei dieser Art früher als unterschiedliche Arten angesehen wurden.
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Namensgebung
Der Ornithologe Eduard Rüppell (1794 – 1884) beschrieb 1845 in seinem Buch «Systematische Übersicht der Vögel Nordostafrikas» den Roptbauchpapagei erstmals wissenschaftlich als Pionus rufiventris nach einem in Äthiopien gefangenen Exemplar. Die Artbezeichnung bedeutet «roter Unterbauch». Der Bankierssohn Rüppell unternahm mehrere Reisen nach Afrika. Seine Sammlungen bildeten den Grundstock für das Senckenberg-Museum in Frankfurt.
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Besonderheit
Afrika ist zwar ein Riesenkontinent, doch er ist, im Vergleich zu Südamerika oder der australisch asiatischen Region, arm an Papageienarten. Die Gattung der Langflügelpapageien (Poicephalus) zu welchen der Rotkopfpapagei gerechnet wird, gehört zusammen mit den Angehörigen der Gattung Agapornis zu den artenreichsten in Afrika.
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