Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Braunkopfpapagei: gut getarnt in der Natur, selten in der Voliere
Braunkopfpapageien gehören zu der reizvollen Gattung der Langflügelpapageien Afrikas. Mit ihrem grünen Gefieder und bräunlich-grauen Kopf sind sie in Baumkronen nur schwer auszumachen. In der Vogelhaltung sind es Raritäten.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Poicephalus cryptoxanthus
Unterarten: Poicephalus cryptoxanthus cryptoxanthus (Nordosten von Südafrika und äusserster Süden von Mozambique), Poicephalus cryptoxanthus tanganyikae (Tansania bis ins südliche Mozambique). Unter Menschenobhut werden die Unterarten nicht unterschieden, und in der Natur überlappt sich das Verbreitungsgebiet.
Herkunft: Ost- und Südostafrika
Grösse: 22 cm
Wildfarbe: grünes Grundgefieder, bräunlich-gräulicher Kopf
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 7,5 mm
Lebenserwartung: 30 Jahre
Platzansprüche: Zimmervoliere mit den Massen von 2 x 1,5 x 2 Meter oder idealerweise eine kombinierte Innen- und Aussenvoliere
Ausstattung: Zahlreiche frische Äste, Wurzelstock, morsches Holz
Stimme: schrille, helle Schreie, die sie aber unter menschlicher Obhut nur selten hören lassen
Haltung: paarweise
Herkunft und Geschichte
Es ist windstill, die Sonne ist an diesem Spätnachmittag in Nordosten Südafrikas vom Dunst verschluckt worden, die Hitze liegt schwer über der Savanne. Es ist kein Laut zu hören. Fast scheint es, dass alles zum Stillstand gekommen ist. Nicht einmal das dichte Röhricht am Ufer eines Sumpfs raschelt. Doch da fallen plötzlich kleine, angebissene Früchte aus einer Baumkrone. Es handelt sich um Feigen. Beim Baum handelt es sich um eine Sykomore oder Maulbeerfeige. Die Art ist an der Levante, in Teilen Arabiens und in Afrika südlich der Sahara verbreitet. Von aussen lässt sich nichts erkennen ausser dem dichten Blattwerk, doch es rieseln weiter kleine Feigen mit Frassspuren aus dem Baum. Direkt unter ihm stehend ist der Blick ins Innere des Blattwerks und dem Stamm entlang möglich. Und da plötzlich fallen sie auf, die Heimlichtuer! Braunkopfpapageien naschen von den Feigen, die am Stamm und an den dicken Ästen wachsen. Das wird in der Botanik Kauliflorie oder Stammblütigkeit genannt und kommt bei etlichen Baumarten der Tropen vor. Vermutlich entwickeln die Bäume Blüten an Stämmen, weil es dort windstiller ist und sie eher von Insekten befruchtet werden können als Blüten in den hohen Kronen. Den Braunkopfpapageien kommen die verborgenen Fruchtstände ihrem Bedürfnis nach Deckung entgegen. Würden sie nicht durch die herunterfallenden Früchte verraten, merkte niemand etwas von ihnen. Papageien haben die Angewohnheit, verschwenderisch mit Früchten umzugehen. Es hat ja schliesslich genug in den Baumkronen. Die heruntergefallenen Früchte werden später dankbar von Säugetieren aufgenommen.
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Der Beobachtungsort befindet sich mitten im Skukuza-Camp im Krüger-Nationalpark in Südafrika. Normalerweise sind Braunkopfpapageien nicht häufig oder werden zumindest wegen ihrer guten Tarnfarben und ihrem heimlichen Leben nicht häufig beobachtet. Es scheint, dass sie in ihrem Bestand in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Dies wird auf die Zerstörung ihrer Lebensräume zurückgeführt. In Südafrika sind sie besonders noch in Schutzgebieten vorhanden.
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Unter Menschenobhut sind Braunkopfpapageien bis heute grosse Raritäten. Züchter haben sich nie so sehr für sie interessiert. 1870 sind die ersten Exemplare in Europa im Zoo London ausgestellt worden, 1914 wurden welche im Zoo Berlin gezeigt, 1972 wird die Haltung im Zoo von San Diego, USA, erwähnt. Ob derzeit die Art in der Schweiz noch gehalten wird, ist nicht klar. Um die Jahre von 2010 haben Serge und Josiane Nussbaumer aus Bevaix (NE) verschiedene Vertreter der Langflügelpapageien gehalten und gezüchtet. Darunter waren auch Braunkopfpapageien.
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Eignung als Heimtier
Braunkopfpapageien sind, einmal eingewöhnt, sehr ruhige Vögel, die sich gut an den Pfleger und ihre Umgebung gewöhnen. Gerade für jemand, der sich spezialisieren möchte, sind die Langflügelpapageien eine hervorragende Gruppe, und dazu gehört auch der Braunkopfpapagei.
Erwerb
Es ist sehr schwierig, Braunkopfpapageien in der Schweiz bei Züchtern zu finden. Im benachbarten europäischen Ausland, insbesondere in Deutschland, gibt es aber noch Züchter, die regelmässig Jungvögel abgeben. Sie inserieren in den Kleinanzeigen der Zeitschrift «Papageien» des Arndt-Verlags.
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Ernährung und Pflege
Braunkopfpapageien vertragen im Winter Temperaturen von ca. 8 °C ohne Probleme. Sie sollten ein zugfreies und frostfreies Schutzhaus zur Verfügung haben. Eine Badeschale gehört in ihre Voliere. Oft lassen sie sich aber auch gerne mit Wasser abbrausen. Braunkopfpapageien sollten Sepiaschalen und einen Mineralstein zum Benagen haben. Der Futterhandel führt Samenmischungen für afrikanische Papageien. Alternativ kann auch eine Samenmischung für Grosspapageien gereicht werden, die aus gestreiften, schwarzen und weissen Sonnenblumenkernen, Kardi, Hafer, Weizen, Hirsearten, Buchweizen, Pinienkernen, Melonenkernen und Leinsamen besteht. Die Mischung sollte vom Frühling an auch gekeimt gereicht werden. Der Keimprozess verringert den Energiegehalt und simuliert die Regenzeit in der Natur. Täglich sollten Früchte und Gemüse der Saison in Stücke geschnitten gefüttert werden. Feigen sind dabei sicher passende Leckerbissen. Wenn keine frischen Feigen verfügbar sind, können auch Trockenfeigen in Wasser eingeweicht gereicht werden.
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Zucht
Interessanterweise gelingen Zuchten von Langflügelpapageien eher in kleinen, dunkel gehaltenen Gehegen. Serge Nussbaumer aus Bevaix hatte erst Zuchterfolge, als er die Braunkopfpapageien zur Zuchtzeit in kleine, seitlich abgeschirmte Boxenkäfige von ungefähr einem Meter Länge und Breite in einem Innenraum setzte. Er reichte einen sechseckigen Nistkasten. Oft züchten afrikanische Papageien im europäischen Winter oder beginnen zumindest sehr früh im Jahr mit der Zucht. Wenn dies so ist, muss die Temperatur im Gebäude auf 20 °C erhöht werden. Meist werden drei bis vier Eier gelegt. Die Brutzeit dauert um die 26 bis 28 Tage. Wenn die Altvögel Junge aufziehen, sollte ihnen auch Hüttenkäse gereicht werden. Er wird stets gerne genommen, und er verhindert, dass die Jungen rachitisch werden. Die Nestlingszeit dauert zehn bis zwölf Wochen. Anschliessend werden die Jungen noch einige Wochen von den Alttieren gefüttert.
Lustig
Über ganz Afrika südlich der Sahara zieht sich das Verbreitungsgebiet des Baobabs oder Affenbrotbaums. Auch im Lebensraum der Braunkopfpapageien gedeihen diese mächtigen Bäume, die so aussehen, als seien sie kopfüber in die Erde gesteckt worden. Sehr oft nisten Braunkopfpapageien in Höhlen in diesen Bäumen.
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Namensgebung
Der Braunkopfpapagei wurde 1854 durch den deutschen Zoologen Wilhelm Carl Hartwig Peters wissenschaftlich beschrieben. 1857 bis 1869 war Peters Direktor des Zoologischen Gartens Berlin. Die wissenschaftliche Artbezeichnung cryptoxanthus bezieht sich auf die nur im Flug sichtbaren leuchtenden gelben Unterflügelfedern (Kryptos = verborgen; xanthus = gelb).
Besonderheit
Noch weniger bekannt als der Braunkopfpapagei ist der Niam-Niam-Papagei (Poicephalus crassus). Er stammt aus Südsudan und Teilen der Zentralafrikanischen Republik. Es handelt sich dabei weitgehend um das frühere als Äquatoria bezeichnete Gebiet. Der Niam-Niam-Papagei sieht fast gleich aus wie der Braunkopfpapagei. Während die Unterflügeldecken beim Braunkopfpapagei kräftig gelb sind, sind sie beim Niam-Niam-Papagei gelblich-grün. Es wird in der Wissenschaft diskutiert, ob der Niam-Niam-Papagei und der Braunkopfpapagei eng verwandt sind. Manche Wissenschaftler vermuten aber eher eine engere Verwandschaft von Braunkopf- und Meyers-Papagei (Poicephalus meyeri). Das löst aber nicht das Rätsel, warum der Niam-Niam-Papagei äusserlich dem Braunkopfpapagei dermassen gleicht.
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