Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Eigentliche Tukane: tropisch, bunt und mit Riesenschnäbeln
Die Eigentlichen Tukane der Gattung Ramphastos sind unverkennbar. Ihre grossen, bunten Schnäbel sind einzigartig. Tukane stammen aus den Tropen Mittel- und Südamerikas. Als Volierenvögel werden sie heute in der Schweiz kaum durch Private gehalten, sind aber beliebte Pfleglinge in zoologischen Gärten Europas. In ihren Heimatländern werden die charismatischen Tukane seit jeher teilweise von Einheimischen von Hand aufgezogen. Darum gehören sie auch ins Ziervogellexikon.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Gattung Ramphastos bestehend aus folgenden Arten: Bunttukan (R. discolorus), Dottertukan (R. vitellinus), Küstentukan (R. brevis), Fischertukan (R. sulfuratus), Riesentukan (R. toco), Weissbrusttukan (R. tucanus), Swainsontukan (R. swainsonii), Goldkehltukan (R. ambiguus), Fischertukan (R. sulfuratus)
Unterarten: Der Weissbrusttukan hat drei Unterarten, darunter der Cuvier Tukan, der früher als eigene Art geführt wurde. Weiter hat der Dottertukan drei Unterarten.
Herkunft: tropisches Mittel- bis Südamerika
Grösse: Der Riesentukan hat den grössten Schnabel. Er misst um die 20 cm. Der Bunttukan ist die kleinste Art und hat den kleinsten Schnabel. Er misst zwischen 9 und 11 cm.
Wildfarbe: Farbenprächtige, grosse Schnäbel in den Farben orange, gelb und rot. Alle Arten weisen grosse Schwarzanteile im Gefieder auf mit klaren Abgrenzungen durch weisse oder gelbe Lätze, die über den Bauch teilweise ins Rot auslaufen.
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: Oft sind die Schnäbel der Weibchen kürzer.
Ringgrösse: Dottertukan 9 mm, Riesentukan 10 mm
Lebenserwartung: ca. 15 Jahre, im Papiliorama in Kerzers FR verstarb ein Fischertukan im Alter von 19,5 Jahren.
Platzansprüche: In der Schweiz gibt es keine gesetzlichen Mindestanforderungen an Gehege für Tukane. Geeignet sind beispielsweise kombinierte Innen- und Aussenvolieren mit den Massen von ca. 5 x 2 x 3 Meter aussen, exklusive des Innenraums.
Ausstattung: viele dicke Äste, Flugraum
Stimme: hohes Trompeten und Pfeifen
Haltung: paarweise
Herkunft und Geschichte
Tukane sind in ihren Heimatländern beliebte Heimtiere, besonders wegen ihren bunten Federn. Junge werden den Baumhöhlen entnommen und von Hand aufgezogen. Darüber berichteten bereits Forschungsreisende früherer Zeiten. So soll bereits Alexander von Humboldt anfangs des 19. Jahrhunderts einen zahmen Riesentukan bei seiner Reise am Orinoko-Fluss mitgeführt haben. Wenn Tukane von Hand aufgezogen werden, sind sie sehr zahm, gleich wie Papageien auch. Tukane sind in ihrem Verbreitungsgebiet Charaktervögel. Sie gehören zur Ordnung der Spechtvögel und haben mit den Spechten den wellenlinienartigen Flug gemeinsam. So fliegt beispielsweise abends bei Puerto Viejo im Norden Costa Ricas, an der Grenze zu Nicaragua, der Swainsontukan von einer Bauminsel zur anderen. Er hat sich mit den von Kühen beweideten Arealen arrangiert. Solange er noch kapitale Bäume vorfindet, scheint er sich im Gebiet wohlzufühlen. In den alten Bäumen findet er nicht nur Früchte, sondern auch Höhlen. Darin zieht er seine Jungen auf.
Tukane leben einerseits im tropischen Regenwald, doch sie bewohnen auch offene Gebiete, Farmland, Palmensavannen, teilweise überschwemmte Territorien wie das Pantanal und Trockenwälder wie im Cerrado Brasiliens. Dort fliegt im Bundesstaat Piaui der Riesentukan mit seinem wuchtigen, gelben Schnabel. Auch diese Art lebt in offenem Land. Der Cerrado, eine Trockenvegetation, wird von Wasserläufen durchzogen, Sümpfe bilden sich, so dass Mauritia-Palmen gedeihen. Doch der Riesentukan ist nicht auf diesen Lebensraum fixiert. Auch im tropischen Regenwald bei den Iguaçu-Wasserfällen beim Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay fühlt er sich zuhause. Die tosenden Wasserfälle im Blick, werden Touristen plötzlich auf etwas Gelbes aufmerksam, das da im Geäst hängt. Es leuchtet so stark, dass es an Plastik erinnert, das vielleicht der Wind in die Baumkrone geweht hat. Doch nein, nun fliegt das Gelbe weiter. Es ist der Schnabel eines Riesentukans, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Obwohl der Bunttukan der kleinste Vertreter der Eigentlichen Tukane ist, zieht auch er in der Natur die Blicke auf sich. Er flattert in der argentinischen Provinz Misiones, ganz im Norden des Landes, in den Baumkronen der urtümlichen Araucarien.
Tukane waren immer selten in Menschenobhut. Tiere, die anfangs des 20. Jahrhundert Europa erreichten, lebten nie länger als einige Monate oder höchstens wenige Jahre. Tukane wurden nur von wenigen Liebhabern privat gehalten. Es sind hauptsächlich attraktive Pfleglinge in Zoologischen Gärten und Vogelparks. Allerdings werden sie heute von Schweizer Zoos kaum noch gehalten. Aufgrund weitreichender Erkenntnisse gelingt die Haltung in europäischen Einrichtungen heute besser, und einige wenige Zoos züchten sogar gewisse Arten. Der Weissbrusttukan ist eine der ersten Arten, die in Europa gehalten wurden, zusammen mit dem Riesentukan, den der Berliner Zoo bereits 1851 im Bestand hatte. Der Londoner Zoo zeigte die Art ab 1871.
[IMG 2]
Eignung als Heimtier
Tukane werden in der Schweiz nicht mehr von Privathaltern gepflegt, obwohl das gesetzlich möglich wäre (Stand 2025). Die Haltung ist allerdings sehr anspruchsvoll, und es ist schwierig, überhaupt Tiere zu finden. Sie müssten im europäischen Raum erworben werden. In Deutschland, den Niederlanden und Belgien züchten wenige Private Tukane. In den USA wird die Tukanzucht von einigen grossen Züchtern betrieben. Tukane trompeten besonders morgens und abends laut. Darum kann ihre Haltung zu nachbarschaftlichen Problemen führen, gleich wie bei der Papageienhaltung.
Erwerb
Über zoologische Gärten, Vogelparks und private Züchter in ganz Europa.
[IMG 3]
Ernährung und Pflege
Ein Grund, warum Tukanarten besonders früher stets nach wenigen Monaten in der Haltung verstarben, ist die Hämosiderose oder Eisenspeicherkrankheit. Tukane können Eisen nicht ausscheiden. Wenn sie also mit eisenhaltiger Nahrung gefüttert werden, führt dies unweigerlich innerhalb von Monaten zum Tod. Zitrusfrüchte beispielsweise enthalten viel Eisen. Anders als Papageien sollten sie Tukanen nicht gereicht werden. In der Natur sind Tukane auch als Nesträuber bekannt und nehmen Nisthöhlen aus und zwar Eier sowie Jungvögel. Der Gründer des Palmitos Parks auf Gran Canaria, Klaus Paulmann, liess Swainsontukane frei fliegen. Der Palmitos Park befindet sich in einer natürlichen Oase zuhinterst in einem Tal im Süden der Kanareninsel. Da die Vegatation mit Kanarendattelpalmen auf den Talkessel beschränkt war, entflogen die Tukane nicht. Spatzen und einbgebürgerte Wellenastrilde flitzten zwischen der Vegetation hindurch. Da geschah es, dass ein Swainsontukan mit seinem wuchtigen Schnabel einen Spatz erbeutete. Grundsätzlich sind aber Tukane Fruchtfresser. 60 Prozent ihrer Nahrung sollte aus Früchten bestehen. Erfolgreiche Zuchteinrichtungen aus den USA empfehlen Papaya als Hauptfrucht, dann Cantaloupe- und Wasser-Melone, Blaubeeren, Banane, Guaven und Feigen. In Europa ist die sehr geeignete Futtermischung mit dem Namen «Weichfutter mit Früchten» der niederländischen Firma Witte Molen als Tukan-Kugeln erhältlich. Es gilt als Alleinfutter für insekten- und früchtefressende Vögel, verfügt über einen eizigartig niedrigen Eisengehalt, ist angereichert mit Vitaminen und essenziellen Fett- und Aminosäuren und enthält Beeren, Papaya, Ananas, Feigen- und Aprikosenstücke, ausserdem Honig, Bierhiefe und Vitamin C. Im Papiliorama in Kerzers (FR) fand man heraus, dass Tukane in der Natur wohl kaum je auf den Boden fliegen, um zu trinken. Sie trinken viel eher aus den Trichtern von Bromelien. Dort sammelt sich nämlich Regenwasser an. Dieses Wasser ist aber angereichert mit Huminsäuren. Seither wird den Fischertukanen im Papiliorama Trinkwasser mit Eichenrindenextrakt offeriert. Das ist förderlich für ihre Gesundheit, denn die Tannine helfen, Eisen aus dem Körper abzubauen. Seither dies herausgefunden wurde, werden Tukane viel älter. Das ist ein Meilenstein in der Tukanhaltung.
Tukane mögen es, abgeduscht zu werden. Manchmal «baden» sie auch in durch Regen nassen Blättern. Badeschalen benützen sie kaum.
[IMG 4]
Zucht
Es ist nicht einfach, ein Tukanpaar zusammenzustellen, das dann auch harmoniert. Oft sind die Tiere unverträglich, so dass es zu Unfällen kommt. Sie leben zwar in der Natur oft in Gruppen, doch unter Haltungsbedingungen sollten sie behutsam aneinander gewöhnt werden. Robuste Pflanzen schaffen Sichtschutz in Volieren. Tukane sind Höhlenbrüter, brauchen also Nisthöhlen, die Baumhöhlen nachempfunden sind. In der Natur brüten sie bevorzugt in Höhlen, die durch abgebrochene Äste entstanden sind. Wenn Tukane in Tropenhallen gehalten werden, wie beispielsweise im Jungle Trek im Papiliorama in Kerzers, sind die Voraussetzungen optimal. Es handelt sich um eine runde von Licht durchflutete Kuppe, unter der die Vegetation des mittelamerikanischen Landes Belize gedeiht. Dort haben Fischertukane in einer in einem Kunstbaum angelegten Höhle Junge aufgezogen. Aus zwei Eiern schlüpften nach einer aussergewöhnlich kurzen Brutzeit von etwa 16 Tagen zwei Junge. Sie verbrachten 42 Tage im Nest, bevor sie ausflogen. Im Vogelpark Walsrode wurde die Zucht des Bunttukans dokumentiert. Dort grub das Paar selbst eine Mulde in den Boden. Die Brutaktivitäten waren aber nicht erfolgreich. Die Altvögel töteten die Jungen, vielleicht aufgrund einer Aufregung. Eine Zweitbrut mit vier Eiern erfolgte dann in einem Nistkasten. Auch diese Jungen erlitten das gleiche Schicksal. Erst die dritte Brut glückte. Damit die Jungen gut aufgezogen wurden, wurde der Anteil der Fleischnahrung auf 70 Prozent erhöht. Es wurde Hundefutter gereicht. Nach rund 44 Tagen flogen die Jungen aus, wurden aber nach dem Ausfliegen weiter von den Eltern gefüttert.
[IMG 5]
Lustig
Im Parque das Aves in Foz da Iguaçu in Brasilien werden in begehbaren Volieren zahlreiche Tukane, beispielsweise Riesen- und Bunttukane, gehalten. Viele wurden von Hand aufgezogen und sind ausgesprochen zutraulich. Sie sitzen auf dem Geländer und lassen sich sogar kraulen. Manche baden genüsslich in der Sonne. Von Nahem lässt sich auch ihre dünne, lange Zunge sehr gut sehen.
Namensgebung
Der Weissbrusttukan wurde 1758 von Carl von Linné anhand eines Exemplars aus Surinam unter dem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. 1766 erfolgte die wissenschaftliche Beschreibung des Bunttukans, ebenfalls durch Linné. Der Riesentukan wurde 1776 vom deutschen Universalgelehrten Philipp Ludwig Statius Müller unter dem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Der Fischertukan wurde 1830 vom französischen Arzt und Naturforscher René Primevère Lesson unter dem heute noch gültigen Namen erstmals wissenschaftlich beschrieben.
[IMG 6]
Besonderheit
Trotz der gewaltigen Grösse des Schnabels ist er sehr leicht, denn er ist dünnwandig und besteht in seinem Innern aus einen hohlzelligen Knochengewebe. Die hohlen Lufträume in seinem Inneren sind von einem feinen Netzwerk dünner knöcherner Bälkchen locker durchzogen, die in der Weise angeordnet sind, dass sie den von aussen kommenden Druckwirkungen allseits erfolgreich begegnen können. Trotz seiner Leichtigkeit ist der Schnabel sehr fest.
Bitte loggen Sie sich ein, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Falls Sie noch kein Agrarmedien-Login besitzen:
Jetzt registrieren