Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Chinesische Zwergwachtel: Bodenbewohner mit Ansprüchen
Chinesische Zwergwachteln sind in der Ziervogelhaltung schon lange bekannt. Sie führen aber manchmal ein Schattendasein. Es ist schade, wenn sie einfach nebenher auf unstrukturiertem Boden gewöhnlicher Volieren gehalten werden. Auch sie haben ihre Ansprüche und sollten darum in einer interessant gestalteten Landschaft gepflegt werden.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: In der Fachliteratur kursieren drei unterschiedliche wissenschaftliche Gattungsbezeichnungen Excalfactoria chinensis, Coturnix chinensis, Synoicus chinensis
Unterarten: 10 Unterarten aufgrund des grossen Verbreitungsgebiets. In der Ziervogelhaltung werden sie aber nicht unterschieden.
Herkunft: von Indien über Südostasien, Indonesien, Neuguinea bis nach Australien
Grösse: Gesamtlänge bis ca. 13 cm
Wildfarbe: rotbraunes, braunes Gefieder, Hals grau
Mutationen: zahlreiche Farbschläge wie Falbe, weiss, rehbraun, gescheckt, silber
Geschlechtsunterschiede: auffallend. Hähne weissen auf der unteren Gesichtsseite eine schwarzweisse Zeichnung auf. Hennen haben einen vollständig brau-nuancierten Kopf.
Ringgrösse: 4 mm
Lebenserwartung: bis zu 10 Jahre, häufig aber lediglich 3 bis 4 Jahre, insbesondere Hennen
Platzansprüche: mindestens 1 Quadratmeter pro Paar
Ausstattung: Wurzeln, Häuschen mit breitem oder mehreren Eingängen, Verstecke mit Nadelästen, Schilf, Grasstubben, Stellen mit trockenem Sand
Stimme: lautes, anschwellendes Pfeifen
Haltung: paarweise, nicht im Harem, wie Hühner. Alternativ auch gleichgeschlechtliche Gruppe, nicht mehr als 5 Tiere
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Herkunft und Geschichte
Die Chinesische Zwergwachtel ist der kleinste Hühnervogel und kommt in einem riesigen Verbreitungsgebiet vor, von Indien über das südliche China bis nach Australien. In China wurden die Zwergwachteln schon vor hunderten von Jahren gehalten und dienten dort als Handwärmer in Manteltaschen. Erste Chinesische Zwergwachteln kamen nach dem Autor Heinz-Sigurd Raethel 1794 in die Menagerie des Osterley-Parks in England, 1842 in die Artis in Amsterdam und 1873 in den London Zoo. 1889 wurden sie im Berliner Zoo gezeigt. Die Erstzucht soll 1873 in Frankreich geglückt sein.
Die Chinesische Zwergwachtel lebt in unterschiedlichen Lebensräumen. Sie fühlt sich in Gras- und Buschland wohl, kommt aber auch in Feuchtgebieten und im tropischen Regenwald vor. Auch in Bergtälern lebt dieser kleinste Hühnervogel, beispielsweise in Neuguinea. Dort kommt die Art auf eine Höhe bis 2200 Meter über dem Meeresspiegel vor. Chinesische Zwergwachteln begehen kleine Pfade durchs Grasland. So sind sie stets geschützt durch die Vegetation und können von Raubvögeln weniger wahrgenommen werden.
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Eignung als Heimtier
Chinesische Zwergwachteln waren lange verkannte Ziervögel. Oft wurden sie als Bodenbesatz von Volieren gehalten, ohne ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Cynthia Kiessling-Nupnau, die lange Zeit in Biessenhofen im Kanton Thurgau in der Schweiz lebte und jetzt in Glauchau in Deutschland wohnt, brachte die Chinesische Zwergwachtel aus dem Schatten der Vogelliebhaberei. In ihren Artikeln und Büchern räumt sie ihr den Platz ein, der ihr zusteht. Ein erster Irrtum ist, dass die Chinesische Zwergwachtel als Hühnervogel in Gruppen gehalten werden kann. Die Art lebt aber monogam, also paarweise. Es ist nicht so, dass sich alle Paare, die der Mensch zusammenstellt, auch mögen. Darum muss besonders nach einer Paarzusammenstellung gut und viel beobachtet werden. Damit Weibchen nicht zu Dauerlegern werden, was sie auslaugt, ist ein Jahresrhythmus notwendig. Im Winter sollten die Zwergwachteln eine reduzierte Lichtdauer sowie kältere Temperaturen erfahren. Das führt zu einer Legepause. Werden sie ganzjährig bei Zimmertemperatur und gleich bleibender Beleuchtung gehalten, sind Chinesische Zwergwachteln immer im Bruttrieb.
Es ist nicht möglich, sie einmal brüten zu lassen und dann die Jungvögel nicht zu separieren, wenn sie selbständig sind. Die jungen Wachteln kämpfen untereinander. Sie müssen paarweise untergebracht werden. Alternativ können gleichgeschlechtliche Gruppen gehalten werden. Sie sollten nicht mehr als fünf Vögel umfassen; Wachteln des anderen Geschlechts dürfen nicht sicht- und hörbar für die Gruppe sein.
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Für Chinesische Zwergwachteln lassen sich hervorragende kleine Biotope gestalten mit Grasstubben, Steinen, Wurzeln, Sandstellen und Rindenmulch. Auch Terrarien eignen sich dafür. Sie sollten aber oben mit einem Gitter versehen sein, und auch die Seiten sollten teilweise luftdurchlässig sein. Frische Luft ist bei der Vogelhaltung besonders wichtig. Als Einstreu haben sich Pinienrindenschnitzel bewährt, da sie nicht schimmeln. Auch Hobelspäne oder Buchenholzgranulat sind geeignet. Sand benötigen die Wachteln, um darin baden zu können. Leben die Chinesischen Zwergwachteln im Innenbereich, sind eine Lichtreduktion im Winter und eine Temperaturabsenkung im Zimmer wichtig. Die Art kann aber auch ganzjährig in einer kombinierten Innen- und Aussenvoliere leben, ohne, dass zusätzlich geheizt wird. Chinesische Zwergwachteln vertragen Minustemperaturen. Die Voliere muss mit Unterschlupfmöglichkeiten und Vegetation, die Deckung bietet, eingerichtet sein. Jährliche Kotuntersuchungen durch den Veterinär sind empfehlenswert, denn die Bodenbewohner können sich rasch infizieren und an Wurmerkrankungen leiden. Sie führen unbehandelt zum Tod. Nur wenn sie erschrecken, fliegen Chinesische Zwergwachteln auf. Sie können problemlos mit Prachtfinken zusammen gehalten werden.
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Erwerb
Chinesische Zwergwachteln können bei vielen Züchterinnen und Züchtern direkt erworben werden. Ebenso werden sie häufig auf Vogelbörsen angeboten. Sie gehören zu den häufig gehaltenen Vögeln.
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Ernährung und Pflege
Der Fachhandel führt Wachtel- oder Zierwachtelkörnermischungen. Auch Hirsemischungen, wie sie für Prachtfinken verwendet werden, sind geeignet. Als Grünfutter können Gräser aus der Natur, Gurke, Kriechendes Schönpolster, Salat, Apfel, Zucchetti, Rüebli und Vogelmiere gereicht werden. Grit sollte immer in einer Schale zur Verfügung stehen. Mehlwürmer können als Leckerbissen angeboten werden. Bachflohkrebse oder gefrostete Buffalos mögen die Zwergwachteln gerne. Tierisches Eiweiss ab und zu, gehört zum Speiseplan. Auch trockene Kräuter ergänzen das Futterangebot.
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Zucht
Die Henne brütet in einem Nest an geschützter Stelle ab dem vierten Ei und kann maximal zwölf Eier legen. Sie brütet 16 bis 18 Tage, manchmal ist auch der Hahn beim Nest, manchmal wacht er davor. Sobald die Jungen schlüpfen und trocken sind, beginnen sie damit, die Umgebung zu erkunden. Ein Wassergeschirr kann dann schnell zum Tod führen. Die Jungen ertrinken in zu grossen Schalen. Ein ganz flaches Gefäss ist als Tränke geeignet. Wenn es einen höheren Rand hat, sollte es mit Murmeln, respektive Steinen, gefüllt werden. Jungwachteln sollte ein Wachtelkükenfutter in einem flachen Topfuntersetzer angeboten werden. In den ersten Tagen sollte auch eine angeschnittene Gurke, berieselt mit Blaumohn, angeboten werden. Die Jungen picken nach dem Mohn, werden so angeregt, selber zu fressen, und nehmen damit auch Feuchtigkeit auf. Mit fünf Wochen sind die Chinesischen Zwergwachteln vollständig befiedert. Sie werden ab etwa acht Wochen langsam geschlechtsreif und müssen dann von den Eltern getrennt werden.
Chinesische Zwergwachteln sollten im Alter von zwei bis drei Wochen mit Vier-Millimeter-Ringen zu beringt werden. Damit Weibchen nicht zu Dauerlegern werden, sollten sie unbefruchtete oder abgekochte Eier bebrüten können. So können sie den Bruttrieb ausleben. Entnimmt man die Eier immer wieder, wird das Weibchen stets wieder legen und dabei auslaugen.
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Lustig
Junge Chinesische Zwergwachteln sind hummelgross. Die keinen Flaumbälle huschen als Nestflüchter kurz nach dem Schlumpf herum.
Namensgebung
Die Chinesische Zwergwachtel wurde 1766 erstmals von Carl von Linné wissenschaftlich beschrieben. Die Gattungsbezeichnung Excalfactoria stammt von Prinz Charles Lucien Bonaparte. Er hat sie 1856 verliehen. Das eigentümliche lateinische Wort Excalfactoria heisst «die Wärmende» und nimmt auf die Geschichte Bezug, dass Chinesische Zwergwachteln in China als Handwärmer in Manteltaschen mitgeführt wurden.
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Besonderheit
Familien von Zwergwachteln haben die Angewohnheit, den so genannten Wachtelstern zu bilden. Eltern und Junge formieren sich in einem sternartigen Rund, halten sich gegenseitig warm und schützen sich so für Feinden.
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