Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Neopsephotus bourkii
Unterarten: keine
Herkunft: Australien
Grösse: 19 cm
Wildfarbe: braungraue Oberseite und bräunlich rosa Unterseite. Das blaue Stirnband hat eine unterschiedliche Breite und Farbausprägung. Schultern, Unterflügel, Unterschwanz, Schenkel und Flanken sind blau.
Mutationen: zahlreich, beispielsweise rosa (opalin), zimt, lutino
Geschlechtsunterschiede: Dem Weibchen fehlt das bläuliche Stirnband, und es ist insgesamt matter gefärbt
Ringgrösse: 3,8 mm
Lebenserwartung: ca. 15 bis 20 Jahre
Platzansprüche: Ideal ist eine Zimmervoliere von ungefähr 2 x 1 Meter x Zimmerhöhe. Die Haltung gelingt aber auch in Boxen von ca. 1 x 0,80 x 0,80 Meter. Das Schweizer Gesetz schreibt für sechs Bourkesittiche ein Käfig mit einer Grundfläche von 0,5 Quadratmeter und einer Höhe von 60 cm vor. Das ist aber nicht praktikabel; eine Haltung unter solchen Bedingungen würde misslingen.
Ausstattung: zahlreiche natürliche Äste, Sand, Badegelegenheit.
Stimme: leises Zwitschern und Trällern, melodiös
Haltung: paarweise, eine Gruppenhaltung ist auch möglich

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Herkunft und Geschichte

Bourkesittiche bewohnen grosse Teile des Innern Australiens. Nur im Westen reicht das Verbreitungsgebiet bis an die Küste. Die Sittiche halten sich in Trockenregionen auf. Mulga, Salzbusch- und Strauchsteppen sowie offene Akazien- und Eukalyptuswälder sind bevorzugte Lebensräume. Da die Nahrung zu einem grossen Teil aus Grassämereien besteht, nehmen sie sie oft am Boden auf. Sie suchen aber auch in Baumkronen nach Blütenpollen, Samen und manchmal auch nach animalischer Kost. Aufgrund von Regenfällen in gewissen Gebieten, ziehen die Bourkesittiche auch, denn sobald es feucht wird, ist mehr Nahrung zur Verfügung, die wüstenähnliche Landschaft erblüht. Dorthin, wo es regnet, zieht es auch die Sittiche. Es scheint, dass die sich ausbreitende Landwirtschaft in Australien einen positiven Einfluss auf die Bestandesentwicklung der Bourkesittiche hat, denn sie haben ihre Verbreitungsgebiete nach Norden ausgedehnt. Bei landwirtschaftlichen Einrichtungen ist stets auch Wasser vorhanden, was entscheidend für das Vorkommen der Sittiche ist. 1867 gelangten erste lebende Exemplare nach Europa.

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Eignung als Heimtier

Bourkesittiche sind sehr geeignete Heimtiere. Da ihre Stimmen kaum zu hören sind für Nachbarn, können sie im Wohnbereich oder Wohngebiet gehalten werden. Sie ernähren sich von Samen und trockene Zimmerluft im Winter entspricht den Bedingungen im Innern Australiens. Eine bei Papageienvögeln seltene aber überaus angenehme Eigenschaft dieser friedlichen Sittiche ist das soziale Verhalten. Bourkesittiche können gut in der Gruppe gehalten werden, mehrere Altvögel zusammen sowie in Kombination mit Jungvögeln. Kalte Temperaturen vertragen sie problemlos, denn auch in ihrem Verbreitungsgebiet sinkt die Temperatur in der Nacht manchmal unter den Gefrierpunkt. In Menschenobhut müssen sie aber immer ein Schutzhaus mit frostfreien Temperaturen aufsuchen können.

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Erwerb

Bourkesittiche sind verbreitet unter Menschenobhut und werden regelmässig auch von Züchtern auf Vogelbörsen angeboten. Die Züchtervereinigung Exotis führt auf ihrer Webseite eine Vogelbörse. Dort werden Bourkesittiche angeboten, oder es kann ein Suchinserat aufgegeben werden. Es werden allerdings viele Farbmutationen angeboten. Grundsätzlich ist es wichtig, dass die natürliche Farbvariante des Bourkesittichs unter Menschenobhut erhalten bleibt.

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Ernährung und Pflege

Bourkesittiche sollten mit einer Samenmischung für australische Sittiche ernährt werden. Darin enthalten sind auch wenige Sonnenblumenkerne. Weiter sind Grassamen für sie geeignet, wie sie auch Prachtfinken gefüttert werden. Wenn Sämereien in der Natur reifen, sollten sie abgeschnitten und den Bourkesittichen gereicht werden. Auch Löwenzahn kann von der Blüte über die Blätter bis zu den Wurzeln angeboten werden. Kolbenhirse ist ein besonderer Leckerbissen für die Vögel. Auch frische Äste werden gerne benagt, beispielsweise Weide. Die Rinde enthält wichtige Mineralstoffe. Weiter benötigen die Sittiche Kalk zur freien Aufnahme, Sepiaschalen und ein Grit- und Mineralgemisch. Zur Zucht sollte das Samenfutter gekeimt gereicht werden. Frisches Wasser in einer Schale sollte immer zur Verfügung stehen.

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Zucht

Die europäische Erstzucht gelang in Belgien im Jahr 1877, 1880 auch in Deutschland beim Altmeister der Vogelhaltung, Dr. Karl Russ. Zur Zucht nehmen die Bourkesittiche Wellensittichnistkästen an. Weibchen leben bis zu acht Eier und bebrüten sie 19 Tage lang, bis die Jungen schlüpfen. Nach einem Monat Nestlingszeit fliegen sie bereits aus, weitere gut zwei Wochen später werden die Jungvögel selbständig. Sie können aber problemlos bei den Eltern belassen werden, auch wenn das Weibchen bereits wieder brütet. Jungvögel sollten nicht vor dem Alter von einem Jahr zur Zucht eingesetzt werden, obwohl sie schon vorher zuchtfähig sind.

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Lustig

Während die meisten Papageienvögel sehr sozial sind und mit Körperkontakt beisammen sitzen und sich gegenseitig füttern, ist die Sozialität bei Bourkesittichen sehr verhalten. Nur während der wenig ausgeprägten Balz und der beginnenden Brut tauschen sie Zärtlichkeiten miteinander aus. Ansonsten sitzen die Vögel, und auch die Jungen, stets mit einigen Zentimetern Abstand zueinander.

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Namensgebung

Früher wurde der Bourkesittich zur Gattung der Grassittiche (Neophema) zugerechnet, bis er eine eigene Gattung erhielt. Die Art ist monotypisch, das heisst, in der Gattung Neopsephotus kommt nur der Bourkesittich vor. Der schottische Forscher Sir Thomas L. Mitchell entdeckte die Art 1835, John Gould beschrieb sie erstmals wissenschaftliche 1841. Die Artbezeichnung ist General Sir Richard Bourke gewidmet, der von 1831 bis 1837 als Gouverneur von New South Wales in Australien wirkte.

Besonderheit

Bourkesittiche sind mit Vorliebe in der Dämmerungszeit aktiv. Mit ihren dunklen Augen sehen sie im Zwielicht gut. Das heisst aber nicht, dass sie nicht manchmal auch tagsüber fliegen. Meist sitzen sie aber während des Tages ruhig, blicken um sich oder sind gar schläfrig. Vor Sonnenuntergang erwachen dann ihre Lebensgeister, ebenso bei Sonnenaufgang.