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Goldmaskenamazone: gross, sanft und selten
Unter den Amazonen gibt es Arten, die rar und allbekannt sind. Die Goldmaskenamazone oder Dufresnes-Amazone ist zwar äusserst selten unter Menschenobhut, doch sie steht nicht im Fokus der Vogelzucht. Das ist schade, denn es sind wundervolle Papageien. Ihre Zucht braucht sehr viel Geduld.
Steckbrief Wissenschaftliche Bezeichnung: Amazona dufresniana
Unterarten: keine. Früher wurde die Granadaamazone als Unterart geführt. In neuerer Literatur wird sie als eigene Art Amazona rhodocorytha aufgeführt.
Herkunft: Venezuela, Guayana, Surinam, Französisch Guayana
Grösse: 34 cm
Wildfarbe: grün, orange Handschwingen, bläuliche Federn im Kopfbereich, Stirn gelb
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 12 mm
Lebenserwartung: ca. 40 Jahre
Platzansprüche: kombinierte Innen- und Aussenvoliere, aussen mindestens 2 Meter lang.
Ausstattung: Frische Äste, Wurzelstöcke
Stimme: lautes Schreien nach Amazonenmanier, besonders abends und morgens. Während des Tages ist meist nicht viel von den Tieren zu hören.
Haltung: zu zweit
Herkunft und Geschichte
Goldmaskenamazonen werden nur selten in ihrem Lebensraum beobachtet und beschrieben. Die Art scheint eine niedrige Bestandsdichte zu haben. Es scheint, dass sie nur örtlich paarweise oder in kleinen Schwärmen vorkommt. Abends sind die Amazonen an den Schlafplätzen in grösseren Ansammlungen zu sehen. Sie leben in Tieflandregenwäldern, besonders gerne auch in der Nähe von Flüssen. Die Art wurde nur in geringen Stückzahlen nach Europa eingeführt und ist darum sehr selten in Menschenhand. Frisch importierte Vögel waren zudem sehr hinfällig. Derzeit wird die Goldmaskenamazone beispielsweise in Deutschland nur im Vogelpark Walsrode und in der Wilhelma in Stuttgart gehalten. In der Schweiz ist sie in keiner öffentlichen Institution zu sehen. Die Welterstzucht gelang erst 1993 John Scott in England. Die Schweizer Erstzucht gelang dem Amazonenspezialisten Peter Buser aus Altdorf im Jahr 1997.
Eignung als Heimtier
Goldmaskenamazonen sind grosse Raritäten und sollten paarweise zur Zucht gehalten werden. Durch eine DNA-Analyse kann das Geschlecht bestimmt werden. Die wenigen Goldmaskenamazonen, die überhaupt nach Europa kamen, wurden stets von Züchtern paarweise gepflegt. Einzelne zahme Goldmaskenamazonen sind nicht bekannt.
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Erwerb
Goldmaskenamazonen können nur bei spezialisierten Züchtern erworben werden. Es ist ausserordentlich schwierig, zu dieser Art zu kommen, da sie kaum gehalten wird.
Ernährung und Pflege
Mindestens die Hälfte der Nahrung sollte täglich aus Früchten und Gemüse bestehen. Eine Samenmischung für Amazonen kann während einigen Monaten im Jahr auch gekeimt gereicht werden. Sie sollte nur wenige Sonnenblumenkerne enthalten.
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Zucht
Es ist sehr schwierig, diese Art zur Zucht zu bringen. Auch wenn ein Paar hervorragend harmoniert, Paarungsverhalten zeigt und kopuliert, ist es nicht sicher, dass es auch zur Brut schreitet. Es braucht oft mehrere Jahre, bis ein solches Paar tatsächlich zur Eiablage kommt. Wenn die Paarpartner nicht synchron in Brutstimmung sind, kommt es zu unbefruchteten Gelegen. Oft fordert das Weibchen das Männchen mit gackernden Lauten zur Paarung auf. Das Männchen zeigt sich aber desinteressiert. Dann zeitigt das Weibchen ein Gelege. Während es am Brüten ist, wird das Männchen aktiv und möchte kopulieren. Klar ist ein solches Gelege unbefruchtet. Indem der Nistkasteneingang mit viel morschem Holz verstopft wird und so frei genagt werden muss, kann das Paar gemeinsam stimuliert werden. Gut ist, mehrere Nistkästen anzubieten, wie beispielsweise herkömmliche, viereckige Kästen, Ablaufnistkästen, die einem Ast nachempfunden sind und ausgehöhlte Baumstämme, die ähnlich aussehen wie Nistkästen in der Natur. Es werden zwei bis vier Eier gelegt, die während 28 Tagen bebrütet werden. Die Jungen verlassen nach neun Wochen den Nistkasten.
Lustig
Goldmaskenamazonen sind gross und sanft. Ein harmonierendes Paar trägt kaum Querelen aus. Trotz ihrer Grösse turnen diese Amazonen an belaubten Ästen, beispielsweise an Schwarzem Holunder, und nagen mit Wonne die Beeren ab oder tauchen den Schnabel in die weissen Blüten. Dieses Verhalten zeigt, wie wichtig die Gabe von frischen Ästen ist.
Namensgebung
Der englische Arzt George Shaw beschrieb die Art wissenschaftlich im Jahr 1812. Die Artbezeichnung ehrt den Franzosen Louis Dufresne (1752 bis 1832), der Ornithologe und Tierpräparator war. Er unternahm an Bord der Astrolabe eine Weltumsegelung. Da Dufresne das Schiff in Macau verliess, war er nicht vom Untergang der Astrolabe 1788 betroffen. Das Schiff segelte nach einem Aufenthalt in der Botany Bay in Australien weiter und erlitt Schiffbruch. Ausser einer Person verstarben alle anderen. Dufresne baute eine grosse private Kollektion von präparierten Vögeln und Eiern auf.
Besonderheit
Die orangen Schwungfedern der Goldmaskenamazone sind etwas Einzigartiges, das so keine andere Amazonenart aufweist. Sie kommen im Flug zur Geltung und wirken als Signale. Die Goldmaskenamazone bleibt geheimnisvoll, weil nur ganz wenig über ihr Freileben bekannt ist und sie sehr selten gehalten wird. Aufgrund der geringen Stückzahlen unter Menschenobhut und der schlechten Reproduktionsrate kann es sein, dass die Goldmaskenamazone in Europa langsam aus den Beständen verschwindet.
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