Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Angola-Schmetterlingsfink, Schmetterlingsfink und Blaukopf-Schmetterlingsfink: drei blaue Vogeljuwelen Afrikas
Schmetterlingsfinken kommen in drei Arten und vielen Unterarten in Afrika südlich der Sahara vor. Die attraktiven Vögel sind beliebte Pfleglinge, doch es gibt sie nicht mehr so häufig in Menschenhand. Die Art schreitet durchaus zur Brut, doch ihre Zucht verlangt Fingerspitzengefühl.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Uraeginthus bengalus (Schmetterlingsfink), Uraeginthus angolensis (Angola Schmetterlingsfink oder Blauastrild) und Uraeginthus cyanocephalus (Blaukopf-Schmetterlingsfink oder Blaukopfastrild)
Unterarten: Uraeginthus bengalus bengalus (Senegal bis Zentralafrikanische Republik), U. b. perpallidus (Niger bis Nord-Äthiopien über Tschad und Südsudan), U. b. schonaus (Äthiopien), U. b. ugandae (Uganda), U. b. brunneigularis (Kenia, Landesinnere), U. b. littoralis (Kenia Küstenregion), U. b. ugogoensis (Tansania), U. b. katangae Sambia, Demokratische Republik Kongo); Uraeginthus angolensis angolensis (Angola bis Demokratische Republik Kongo), U. a. cyanopleurus (Südafrika, Simbabwe), U. a. natalensis (östliches Südafrika bis Sambia), U. a. niassensis (Mozambique bis Tansania); Uraeginthus cyanocephalus cyanocephalus Tansania und Kenia, U. c. muelleri (Nord-Kenia, Äthiopien und Somalia)
Herkunft: Weite Teile Afrikas (siehe Unterarten)
Grösse: 12 cm (Angola-Schmetterlingsfink, Schmetterlingsfink), 14 cm (Blaukopf-Schmetterlingsfink oder Blaukopfastrild)
Wildfarbe: Charakteristisch sind das hellblaue Gefieder an Brust und Kopf sowie die hellbraunen Gefiederpartien an Flügeln, Rücken und teilweise am Oberkopf
Mutationen: in der Schweiz kaum vorhanden
Geschlechtsunterschiede: Bei einigen Unterarten hat das Weibchen geringere und blassere blaue Gefiederanteile, beim Schmetterlingsfink trägt das Männchen einen attraktiven roten Wangenfleck.
Ringgrösse: 2,2 mm für Schmetterlingsfink und Angola-Schmetterlingsfink, 2,5 für Blaukopf-Schmetterlingsfink
Lebenserwartung: ca.5 Jahre
Platzansprüche: Ideal ist die Unterbringung in einer Zimmervoliere von ca. 2 x 1,5 x 2 Meter. Im Sommer ist auch eine Haltung in kombinierten Innen- und Aussenvolieren möglich.
Ausstattung: Äste, Steine, Sand.
Stimme: Ein hohes, kurzes «Sitt-sitt». Warnruf wie «Täktäktäk».
Haltung: paarweise oder in Gemeinschaft anderer Arten.
Herkunft und Geschichte
Alle drei Arten der Schmetterlingsfinken bewohnen Steppen mit Dornbüschen wie Akazien, niedrigem Gras und Steinen. Sie sind vor allem in Bodennähe anzutreffen, wo sie auch ihre Nahrung finden. Schmetterlingsfinken fliegen auch entlang von Galeriewäldern, in durch Regen ergrünter Savanne und halten sich durchaus in der Nähe menschlicher Siedlungen auf. Der Blaukopf-Schmetterlingsfink hüpft beispielsweise auch über Picknickplätze von Safari-Touristen in Kenia und Tansania. Der Schmetterlingsfink kommt bis ins äthiopische Hochland und um die Hauptstadt Addis Abeba vor. An einem Nachmittag pickten dort in einem ländlichen Vorort mehrere Schmetterlingsfinken von Teff, einer Zwerghirseart. Ein Bauer führte einen Esel am Strick, ein weiteres Grautier nestelte frei im Stroh herum. Dahinter türmten sich Garben von Teff. Es war Dreschzeit, und dieses Getreide wird für das äthiopische Nationalgericht Injera verwendet. Die kleinen, blauen Finken wussen, dass gedrescht wird. Der Wind verbreitete die winzigen Samen weit herum. Über Holzmasten hing ein Gewirr von Kabeln, in der Ferne erhoben sich im Dunst spärlich bewachsene Hügel. Emsig pickten einige wenige Schmetterlingsfinken Teff-Sämchen vom rötlichen Boden. Die Vögelchen waren so zierlich, dass sie kaum auffielen inmitten all der Getreideberge, der beigen Steine und im rötlichen Sand, der durchsetzt war von allerlei Abfall. Da Schmetterlingsfinken bis ins Hochland afrikanische Hochland vorkommen, sind sie nicht so kälteempfindlich.
Angola-Schmetterlingsfinken kamen wohl vor 1910 nach Deutschland, und sie werden bis heute selten gehalten. Der Schmetterlingsfink war einst ein häufiger Prachtfink in der Vogelhaltung, als noch regelmässig Vögel aus Afrika importiert wurden. Seit dem Importstopp von 2007 ist auch diese Art selten geworden in Menschenhand. Die Art wird seit dem Ende des 18. Jahrhunderts gehalten. Blaukopf-Schmetterlingsfinken gelangten 1927 erstmals nach England, Deutschland und Frankreich. Schmetterlingsfinken sind schnelle und gewandte Flieger. Ihre Schönheit kommt darum besonders in einer Voliere zur Geltung.
[IMG 2]
Eignung als Heimtier
Schmetterlingsfinken sind geeignete Pfleglinge, gerade auch für Zimmervolieren. Da sie friedfertig sind, können sie auch in Gemeinschaft mit anderen friedlichen Arten aus der Trockensavanne gehalten werden. Es ist sehr gut, wenn Schmetterlingsfinken gezüchtet werden, damit der Bestand unter Menschenobhut erhalten werden kann.
[IMG 3]
Erwerb
Auch wenn Schmetterlingsfinken nicht mehr häufig angeboten werden, ergeben sich an Vogelausstellungen Kontakte zu Züchtern. Die Interessengemeinschaft Prachtfinken führt vom Schmetterlingsfinken insgesamt 54 gehaltene Vögel auf und vom Blaukopf-Schmetterlingsfinken 39. Züchter der Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz halten und züchten ebenfalls Schmetterlingsfinken.
[IMG 4]
Ernährung und Pflege
Schmetterlingsfinken sollten eine Wasserstelle in Form einer flachen Schale mit frischem Wasser zur Verfügung haben, die sie auch zum Baden nutzen. Sie ernähren sich von verschiedenen Hirsesorten wie Japan-, Mohar-, Manna-, Senegal- und Kolbenhirse. Ideal ist, wenn saisonal diese Hirsesorten auch gekeimt angeboten werden. Weiter sollten Wildgräser aus der Natur, Vogelmiere und Löwenzahn gereicht werden. Salat, Gurke, Apfel sind weitere Leckerbissen. Gefrostete und aufgetaute Pinkymaden, Buffalos und frisch gehäutete und zerschnittene Mehlwürmer werden gerne angenommen. Kalk zur freien Aufnahme, Sepiaschalen, Grit, ein Mineralgemisch sowie eventuell eine getrocknete Kräutermischung ergänzen das Angebot.
[IMG 5]
Zucht
Nach der Balz werden drei bis sechs Eier in ein in einem Strauch errichteten Nest gelegt. Föhrenzweige eigenen sich gut als Nisthilfen. Dort hinein kann ein Kanariennistkörbchen platziert werden. Als Nistmaterial sollten Grashalme, Kokosfasern und Sisal geboten werden. Das Nest bleibt zu einer Seite offen. Manchmal wird das Gelege von beiden Paarpartnern bebrütet, oft auch fast nur vom Weibchen. Während der Aufzuchtszeit ist eine ausgewogene Fütterung wichtig. Insekten sind unentbehrlich, sollten aber auch nicht im Überfluss gereicht werden, weil dann die Gefahr besteht, dass die Altvögel zu fest in den Bruttrieb gelangen und die Jungen zum Nest herauswerfen könnten. Nach etwa 19 Tagen fliegen die Jungen aus und werden noch zwei bis drei Wochen von den Eltern weiter gefüttert, bevor sie selbständig werden. Das Blau im Gefieder färbt sich erst im Verlauf von einigen Wochen intensiv.
[IMG 6]
Lustig
Schmetterlingsfinken-Männchen versuchen, Weibchen mit einem Tanz und einem Halb im Schnabel zu beeindrucken. Das wird als Halmbalz bezeichnet. Der Halm wird am Ende gefasst, dann tanzt das Männchen neben seinem Weibchen und kehrt ihm den Schwanz und die aufgestellten Brust- und Bauchfedern zu. Das Männchen knickt ein und schnellt in die Höhe, dabei hält es immer den Halm im Schnabel.
[IMG 7]
Namensgebung
Die drei Arten werden in der Gattung Uraeginthus geführt. Sie wurde 1851 von Jean Louis Cabanis (1816 – 1906) begründet. Er war als deutscher Ornithologe mehr als 50 Jahre lang im Zoologischen Museum Berlin beschäftigt und gründete das Journal für Ornithologie. Der Angola-Schmetterlingsfink oder Blauastrild wurde 1758 von Carl von Linné in die Wissenschaft eingeführt, ebenso der Schmetterlingsfink im Jahr 1766. Der Blaukopf-Schmetterlingsfink oder Blaukopf-Astrild wurde 1897 durch den US-amerikanischen Ornithologen Charles Wallace Richmond (1868 – 1932) wissenschaftlich beschrieben.
[IMG 8]
Besonderheit
Obwohl Schmetterlingsfinken friedlich mit anderen Arten sind, werden sie in der Brutzeit zänkisch und vertreiben andere Vögel von ihrem Nestrevier. Darum: Entweder, sie leben in einer grossen Voliere mit vielen Versteckmöglichkeiten, oder sie werden zur Zucht paarweise gehalten.
Bitte loggen Sie sich ein, um die Kommentarfunktion zu nutzen.
Falls Sie noch kein Agrarmedien-Login besitzen:
Jetzt registrieren