Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Neophema pulchella
Unterarten: keine
Herkunft: Ost-Australien und Südost-Australien
Grösse: 20 cm
Wildfarbe: Oberkopf und Oberseite grün, Vorderkopf glänzend türkisblau, Brust und Bauch leuchtend gelb. 
Mutationen: zahlreich, beispielsweise gelb, pastell, olivegrün, opalin. Es gibt in der Natur auch Weibchen mit grossem, rotem Bauchfleck. Männchen dieser Variante haben ein leuchtenderes Rot. Durch gezielte Verpaarungen gibt es heute Schönsittiche mit ausgedehntem Rotanteil am Bauch, die auch als «Rotbauch-Schönsittiche» bezeichnet werden. 
Geschlechtsunterschiede: Den Weibchen fehlt die leuchtend blaue Gesichtsmaske. Das Blau ist nur angedeutet. 
Ringgrösse: 4 mm
Lebenserwartung: ca. 10 Jahre
Platzansprüche: Flugkäfig von 2 m x 0,50 cm x 0,80 cm Höhe oder idealerweise kombinierte Innen- und Aussenvoliere
Ausstattung: Natürliche Äste, Flugraum, Sand, Steine und Grasbüschel am Boden
Stimme: dezentes Zwitschern
Haltung: paarweise oder in Volieren mit gemischtem Besatz wie Prachtfinken. Untereinander sind Männchen unverträglich. Auch andere Grassittiche dürfen nicht mit Schönsittichen gehalten werden. Die Art verträgt kühle, trockene Temperaturen, nicht aber feucht-kalte Bedingungen. 

Herkunft und Geschichte

Schönsittiche leben in offenem Waldland und in baumbestandenem Grasland, an Wasserläufen und im Hügelland. Waldränder, die an Grasland angrenzen, sind bevorzugte Aufenthaltsorte. Sie fliegen paarweise oder in kleinen Gruppen, seltener in Schwärmen von etwa 30 Vögeln. Schönsittiche suchen ihre Nahrung, die Grassamen, auf dem Boden. Sie sind vornehmlich morgens und abends aktiv. Bereits um 1850 kamen erste Schönsittiche nach London in England und Antwerpen in Belgien. Die Erstzucht gelang 1852 dem Zoo London und 1855 in Frankreich dem Privatzüchter A. M. Delon. 

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Eignung als Heimtier

Schönsittiche sind ausgesprochen gut geeignete Pfleglinge, besonders auch für Leute, die im Wohnbereich Vögel halten. Ihr Zwitschern stört niemanden. Die in der Vogelhaltung sehr beliebte Art nagt kaum. Der deutsche Züchter Alexander Droste betreibt grosszügige und bepflanzte Volieren. Mit verschiedenen Prachtfinkenarten hält er auch Schönsittiche. Sie beschädigen die Pflanzen kaum, berichtet Droste. Zudem vertragen sie sich mit den anderen Volierenbewohnern bestens. Der Schönsittich ist ideal geeignet zum Besatz einer Biotopvoliere mit Prachtfinkenarten. 

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Erwerb

Schönsittiche können an Vogelbörsen und direkt bei Züchtern erworben werden. Kontakte zu Züchtern findet man über die Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz. 

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Ernährung und Pflege

Der Futterhandel hält Neophema-Mischungen bereit. Die Samenmischung ist also extra auf Grassittiche abgestimmt. Sie besteht aus verschiedenen Hirsesorten, Glanz, Samen des Ramtillkrauts, Grassamen, Leinsamen und kleinen Sonnenblumenkernen. Während der Zuchtzeit sollte zudem Keimfutter gereicht werden. Weiter ist ein Aufzuchtfutter/Eifutter wichtig. Sepiaschalen sowie ein Kalzium- und Mineralgemisch gehören selbstverständlich zur freien Aufnahme immer in die Voliere.

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Zucht

Die Zucht des Schönsittichs glückt vielfach. Es ist wichtig, dass die Art artrein gezüchtet wird. Da die Weibchen des Glanz- und des Schönsittichs sich gleichen, besteht die Gefahr der ungewollten Vermischung von Arten. Zur Zucht sollte ein Paar eingesetzt werden. Schönsittich-Männchen sind aggressiv gegenüber Artgenossen und Männchen anderer Grassitticharten. Schönsittiche müssen mindestens ein Jahr alt sein, bis sie zur Zucht eingesetzt werden. Sie brüten in Wellensittich-Nistkästen. Die Zuchttätigkeit beginnt meist im April. Weibchen legen vier bis sieben Eier, gerne auf einen Belag mit Hobelspänen. Täglich wird ein Ei in den Morgenstunden gelegt. Die Brutzeit dauert 18 Tage. Nur das Weibchen brütet. Die Jungen werden während den ersten zehn Tagen nur vom Weibchen gefüttert, anschliessend auch vom Männchen. Nach etwa einem Monat verlassen die Jungen die Nisthöhle. Es dauert dann noch etwa zwei Wochen, bis der Nachwuchs selbständig ist. Das Paar kann im selben Zuchtjahr noch zwei weitere Bruten aufziehen. Je nach Kondition des Zuchtpaars sollte man aber höchstens zwei Jahresbruten zulassen. 

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Lustig

Junge sind rosafarben und entwickeln in den ersten zehn Lebenstagen ein weisses Dunenkleid. Sie sehen aus wie kleine, weisse Flaumbällchen. 

Namensgebung

Der Schönsittich wurde schon 1792 durch den englischen Arzt und Naturforscher George Shaw wissenschaftlich beschrieben (pulchella). Vermutlich gelangte ein Balg durch englische Siedler in der Region von Port Jackson in New South Wales, Australien, in das Leverian-Museum in London. Shaw war der erste, der Bälge australischer Tiere dieses Museums sah und untersuchte. So war er etwa auch der erste, der das Schnabeltier untersuchte. Die Gattung der Grassittiche, Neophema, wurde durch den italienischen Arzt und Ornithologen Graf Thommaso Salvadori begründet. 

Besonderheit

Durch die Mutationszucht ist es schwierig geworden, wildfarbige Schönsittiche zu erwerben. Das Schwergewicht sollte heute unbedingt auf den Erhalt der Wildform gelegt werden. Schönsittiche müssen zudem artrein gezüchtet werden. Nur so wird es gelingen, die Art während vielen weiterein Jahren in den Volieren erhalten zu können.