Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Guaruba guarouba
Unterarten: keine
Herkunft: Brasilien
Grösse: 34 bis 36 cm
Wildfarbe: goldgelb, nur wenige Schwingen sind grün
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 9 mm
Lebenserwartung: ca. 40 Jahre, kann auch bis 60-jährig werden
Platzansprüche: Idealerweise Haltung in kombinierten Innen- und Aussenvolieren, ungefähre Masse innen 2 x 1,80 x 2 Meter mit gleichen Massen für Aussengehege für ein Paar
Ausstattung: zahlreiche Äste, morsches Holz, Boden mit Rindenmulch, Sand, Steinen
Stimme: sehr lautes gemeinsames kreischen
Haltung: paarweise, leben langfristig auch im Familienverband

Herkunft und Geschichte

Goldsittiche stammen aus dem amazonischen Tieflandregenwald Brasiliens. Sie leben hauptsächlich entlang der Flüsse Tocantins, dem unterem Xingú und dem Tapajós, alles Zuflüsse des Amazonasstroms. Sie kommen auch um die Stadt Belém bis weit ins Flussdelta des Amazonas vor. Allerdings sind sie in ihrem Bestand gefährdet, dies wegen Nesträuberei und Lebensraumverlust. Vermutlich leben noch gut 10000 erwachsene Goldsittiche im Regenwald. Die beiden Autoren Werner Lantermann und Jörg Asmus erwähnen in ihrem Standardwerk «Wildvogelhaltung», dass der Goldsittich erstmals 1869 nach Europa importiert wurde. Er war im Papageienhaus des Londoner Zoos zu sehen. Goldgelbes Gefieder, grüne Schwingen, laute, gellend hohe Stimmen, soziales Verhalten. Goldsittiche sind schlichtweg in allem, was sie ausmacht, spektakulär. Sie können auch im Familienverband gehalten werden. Stimulierend für sie ist auch, wenn mehrere Paare nebeneinander untergebracht werden.

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Eignung als Heimtier

Goldsittiche werden nur von spezialisierten Züchtern gehalten. Aufgrund ihrer ausserordentlich lauten Stimmen, können sie kaum im Wohnquartier und nicht in einer Wohnung gepflegt werden. So schön Goldsittiche sind, so viel Probleme können sich plötzlich ergeben. Es sind sehr sensible Vögel, die oft bei Unbehagen damit beginnen, sich selber das Gefieder auszurupfen. Dieses Fehlverhalten kann auch dann ausgelöst werden, wenn sie als Gruppe neu zusammengestellt werden. Wer Goldsittiche pflegt, muss darum dauernd für Beschäftigung sorgen. Das heisst, die Sittiche benötigen immer frisches Holz zum Nagen.

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Erwerb

Es ist nur durch intensive Kontakte zu Züchtern möglich, Goldsittiche zu erwerben. Züchter sind Mitglieder der beiden Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz. Dabei muss beachtet werden, dass Goldsittiche in Europa alle eng miteinander verwandt sind. Die meisten Tiere in Europa stammen vom Schweizer Dr. Hansjörg Etterlin. Er züchtet Goldsittiche während Jahrzehnten erfolgreich.

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Ernährung und Pflege

In der Natur ernähren sich Goldsittiche von Früchten, Samen und Nüssen. Die starken Schnäbel dienen dazu, harte Samen und Schalen von proteinreichen Nüssen zu knacken. Auch unter Menschenobhut benötigen sie somit eine fetthaltige Samenmischung, die auch Aras verabreicht wird und unter anderem aus vielen Sonnenblumenkernen besteht. Auch Baumnüsse und Mandeln sind gut geeignet für Goldsittiche. Ein grosses Angebot an Früchten und Gemüse muss täglich gereicht werden. Goldsittiche benötigen freien Zugang zu Kalzium und Mineralien. Eine Badegelegenheit sollte vorhanden sein. Goldsittiche lassen sich gerne beregnen. Frische Äste von Rottanne, Weide, Buche, Hasel, Esche oder Linde müssen stetig gereicht werden, da Goldsittiche sie stark benagen und dabei nicht nur Mineralien aufnehmen, sondern auch Beschäftigung finden.

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Zucht

Nebst dem Schweizer Züchter und Arzt Dr. Hansjörg Etterlin haben sich die US-Amerikaner Linda und Bill Wittkoff besonders verdient gemacht um die Zucht der Art. Linda Wittkoff ist 2017 verstorben, doch ihre Goldsittich-Zucht läuft weiter. Linda und Bill kamen 1962 aus den USA nach São Paulo in Brasilien. Sie wohnten abgeschieden mitten im Atlantischen Wald und pflegten ihre Papageien in Hägekäfigen und Volieren inmitten tropischer Vegetation. Mit zwei Paaren Goldsittichen haben sie einen Bestand von etwa 50 Exemplaren aufgebaut. Sie verkaufen keine Vögel, denn sie haben die Lymington Foundation gegründet, eine Stiftung, die sich für die Erhaltung seltener Papageien einsetzt. Sie ist von der brasilianischen Regierung anerkannt. Somit arbeiteten die Wittkoffs zusammen mit der IBAMA, der brasilianischen Umweltschutzbehörde, an Erhaltungszuchtprogrammen für seltene Papageienarten. Die Expertin Linda Wittkoff berichtete von ihren Erfahrungen: „Das Zusammenführen von Goldsittichen ist äusserst heikel. Es gelingt nur, wenn sie jung sind, und noch dann muss ich sie sehr gut im Auge haben.“ Wittkoffs verwenden Ablaufnistkästen und geben Hobelspäne in die Höhlen, die allerdings meistens ganz von den Altvögeln hinausgeworfen werden. Es können im Abstand von zwei Tage bis zu sechs Eier gelegt werden. Meistens besteht ein Gelege aber aus vier bis fünf Eiern, die während 26 bis 28 Tagen bebrütet werden. Die Aufzuchtzeit dauert gut drei Monate. Eine besondere Idee bei der Zucht von Goldsittiche hatte man im Parque das Aves, nahe den Iguazu-Wasserfällen, in Brasilien. In der sehr grossen Voliere wurde ein künstlicher Baumstamm mit einem grossen Einschlupfloch geschaffen. Im Innern des Stamms befinden sich fünf Nistkästen, die alle von Paaren benützt werden.

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Ein Ziel der Lymington Foundation war, die Goldsittiche eines Tages wieder südlich des Amazonas auszuwildern. Ein erster, kleiner Erfolg ergab sich nun bereits 2018. 2017 brachten Mitarbeiter der Fundação Lymington zwölf Goldsittiche in die Stadt Belém im Amazonasmündungsgebiet. Dort wurden sie im Parque Estadual do Utinga in Auswilderungsvolieren akklimatisiert. Man wollte Goldsittiche nicht in einem abgelegenen Gebiet freilassen, sondern in stadtnaher Umgebung. Bill Wittkoff sagt dazu: „Unsere Goldsittiche sind sich an Menschen gewöhnt und darum nicht scheu. In einem abgelegenen Gebiet besteht die Gefahr, dass sie gefangen werden.“ In Stadtnähe seien die Menschen weniger auf Fang ausgerichtet, eine gewisse Kontrolle untereinander funktioniere, so dass Fänger nicht ungestört agieren könnten. Beim Parque Estadual do Utinga handelt es sich um ein etwa 14 Quadratkilometer grosses Naturreservat am Rand Beléms. Er wurde für die Wasserversorgung aber auch als Rückzugsgebiet für einheimische Tierarten geschaffen. Teile davon sind auch der Öffentlichkeit zugänglich. Nach einigen Monaten wurden die Goldsittiche aus ihren Volieren entlassen. Die meisten wanderten ab, doch ein junges Paar blieb in der Nähe und brütete in einem künstlichen Nistkasten. Es zog einen Jungvogel auf. Das überrascht, denn zwischen Auswilderung und erster, erfolgreicher Aufzucht liegen nur drei Monate. Im Sommer 2018 flog der Goldsittich, der noch schmutzig gelbes Gefieder aufwies, mit seinen Eltern im Gelände herum und wurde immer wieder von ihnen gefüttert.

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Lustig

Hansjörg Etterlin ist nicht nur ein ausgewiesener Züchter, sondern auch spezialisiert auf die Freiflughaltung von Papageien. So kam es, dass er auch seine Goldsittiche frei fliegen liess. Sie flogen immer wieder in ihre Volieren zurück, doch es kam auch vor, dass er Tiere durch Angriffe von Raubvögeln wie Habichte verloren hat. Durch die leuchtende Farbe fallen Goldsittiche sofort auf.

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Namensgebung

Der Goldsittiche wurde 1788 durch den deutschen Arzt und Naturwissenschaftler Johann Friedrich Gmelin im Rahmen einer erweiterten Ausgabe von Carl von Linnés «Sytema Naturae» in die Wissenschaft eingeführt. Allerdings hat der deutsche Wissenschaftler Georg Marcgraf (1610-1644) bereits vorher über die Art berichtet. Er hat sie aber nicht wissenschaftlich beschrieben, sondern hat offenbar Vögel während einer Forschungsreise durch Nordbrasilien kennen gelernt. Er verstarb in jungen Jahren an Gelbfieber. Die Gattung wurde durch den französischen Arzt René Primevère Lesson 1831 begründet. Der Goldsittich ist monotypisch.

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Besonderheit

Im Regenwald lebt ein Männchen teilweise mit mehreren Weibchen zusammen. Alle teilen sich die Bruthöhle. Als Helfer fungieren unverpaarte Vögel beider Geschlechter. Untersuchungen zeigten, dass von 20 Vögeln, die in einer Baumhöhle ruhten, ausser einem Weibchen, alle anderen miteinander verwandt waren. Das kooperative Brutverhalten unterscheidet sich deutlich von dem der meisten anderen Papageien.