Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Feinsittich: grazil, diskret und selten in den Volieren
Feinsittiche aus dem südlichen Australien sind selten in Reinform in der Vogelpflege. Es sind ruhige Pfleglinge, die sogar als Gruppe gepflegt werden können. Es ist wichtig, dass die Art in den Volieren rein erhalten wird.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Neophema chrysostoma
Unterarten: keine
Herkunft: südliches Australien wie Neusüdwales, Victoria und die Insel Tasmanien
Grösse: 21 cm
Wildfarbe: olivgrün, gelber Unterbauch, blaue Aussenfahnen. Das blaue Stirnband reicht bis zum Auge
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: beim Weibchen ist das Stirnband schmaler und blasser, der gelb-orange Bauchfleck ist kleiner und das Blau an den Handschwingen ist weniger ausgedehnt
Ringgrösse: 4 mm
Lebenserwartung: ca. 10 Jahre
Platzansprüche: Flugkäfig von 2 m x 0,50 cm x 0,80 cm Höhe oder idealerweise kombinierte Innen- und Aussenvoliere
Ausstattung: Viele natürliche Äste, am Boden Moos, Steine, Grasstubben, morsche Äste
Stimme: dezentes, melodiöses Zwitschern
Haltung: paarweise oder in Gruppen
Herkunft und Geschichte
Feinsittiche stammen aus Waldland und angrenzenden offenen Gebieten. Sie fliegen auch oft auf landwirtschaftliche Felder und in Obstgärten. Feinsittiche suchen sich ihre Nahrung meist am Boden. Sie besteht zu einem grossen Teil aus Grassamen. Im Süden Tasmaniens kommt der Sittich nur im Sommer vor. Das Zugverhalten ist aber bis heute nicht restlos geklärt. Es scheint, dass die Sittiche über das Meer zwischen Tasmanien und Australien fliegen. In Tasmanien und Südaustralien ist die Art weit verbreitet und soll zahlreich vorkommen. Der Schweizer Vogelzüchter Jürg Roth aus dem solothurnischen Hägendorf hat sich auf die Haltung und Zucht von Feinsittichen spezialisiert. Er hat sie auch in ihrem Lebensraum beobachtet und berichtet in der Zeitschrift «Gefiederter Freund»: «Ich bin einem Schwarm von etwa zwanzig Tieren während meiner dreimonatigen Australienreise im Jahre 2011 in den Goldfields nordwestlich von Melbourne zufällig begegnet. Die Sichtung war jedoch nur kurz. Nach etwa einer Minute entfernten sich die Vögel in reissendem Flug. Sie zu fotografieren war leider nicht möglich. Auf Tasmanien habe ich keine Feinsittiche gesehen, obwohl behauptet wird, dort seien sie sehr häufig. Meine persönliche Erfahrung ist dies auf jeden Fall nicht. Aber eine Begegnung ist oft zufällig.»
Erstmals war die Art 1874 im Zoo Berlin zu sehen. Erst in den 1960er und 1970er Jahren wurden aber Vögel in grösserem Stil nach Europa exportiert. In der Schweiz ist der Feinsittich bis heute eine selten in den Volieren vorhandene Art, der nur wenig Beachtung durch Spezialisten geschenkt wird.
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Eignung als Heimtier
Feinsittiche sind ausgesprochen gut zur Haltung geeignet, besonders auch, da Nachbarn kaum etwas von ihnen hören. Sie schreien oder krächzen nicht wie viele andere Papageienarten. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie auch schwarmweise gehalten und gezüchtet werden können. Für Liebhaberinnen und Liebhaber mit nicht so viel Platz ist dies eine ideale Eigenschaft, da auch Jungvögel mit im Schwarm fliegen können, sofern der Platz vorhanden ist. Auch Jürg Roth lobt den Charakter der Feinsittiche und hat die Erfahrung gemacht, dass es sehr angenehme Volierenbewohner sind. Sie seien sehr ruhig und diskret, berichtet er.
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Erwerb
Feinsittiche können bei wenigen spezialisierten Züchtern erworben werden. Solche Züchter sind bei den Verbänden Exotis und Ziervögel Schweiz Mitglieder.
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Ernährung und Pflege
Feinsittiche sollten während dem grössten Teil des Jahres mit fettarmen Sämereien ernährt werden. Im spezialisierten Futterhandel gibt es Mischungen für Grassittiche oder Neophema-Arten, zu welchen der Feinsittich gehört. Kolbenhirse wird sehr gerne genommen und zwar gelbe und rote. Süsse Äpfel, Fenchel und Rüebli sollten bei der täglichen Fütterung ebenfalls nicht fehlen. Gaben aus der Natur wie Gräser und Beeren sind eine Abwechslung, äusserst gesund und bringen die Sittiche mit der Natur in Kontakt. Wichtig sind auch frische, belaubte Äste. Wenn die Sittiche Junge aufziehen, sollte Keimfutter zusätzlich gereicht werden. Der Keimprozess setzt wichtige Enzyme und Vitamine frei. Der erfahrene Feinsittich-Züchter Jürg Roth streut in seinen Aussenvolieren Klee- und Grassamen. Das finde grossen Zuspruch bei seinen Vögeln. Freier Zugang zu Kalk und Mineralien muss immer gewährleistet sein. Kalk sollte in Form von Sepiaschalen gereicht werden und ebenfalls pulverisiert zur freien Aufnahme in einem Napf zur Verfügung stehen.
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Zucht
Die Erstzucht wurde 1879 in Frankreich, 1886 in Deutschland und 1909 in England verzeichnet. Zur Zucht von Feinsittichen gibt es widersprüchliche Erfahrungen. Grundsätzlich ist sie nicht so einfach. Feinsittiche wollen sich ihre Partner aussuchen. Wenn sie mit fetthaltigen Sämereien gefüttert werden, resultiert das in unbefruchteten Gelegen. Der Schweizer Züchter Serge Nussbaumer aus Bevaix (NE), der seit vielen Jahren Feinsittiche vermehrt, hält die Vögel paarweise. Auch Jürg Roth züchtete früher die Art paarweise. Er hatte aber immer wieder Todesfälle bei den Nachzuchten. Er startete einen neuen Versuch mit zwei Zuchtpaaren in der gleichen kombinierten Innen- und Aussenvoliere. Während der Balz verfärbte sich das Gefieder, besonders bei den Männchen. Der gelbliche Brustfleck wurde fast orange und dehnte sich aus. Die Männchen beider Paare balzten, indem sie sich hoch aufrichteten und auf der Sitzstange umherstolzierten. Die Nistkästen mit den Massen 25 x 181 x 18 cm mit einer Einstreu aus Hanf und Sägemehl montierte Jürg Roth Ende März. Sie wurden rasch angenommen. Beide Weibchen legten Eier und brüteten. Nach etwa drei Wochen Brutzeit schlüpften in einem Kasten Junge. Bei einem Paar schlüpften fünf Junge, das Weibchen des zweiten Paars hatte drei unbefruchtete Eier. Jürg Roth beschreibt im Nachhinein sein Vorgehen als unverzeihlicher Fehler. Er berichtet: «Anstatt das Weibchen weiter die unbefruchteten Eier bebrüten zu lassen, entnahm ich sie.» Daraufhin begann das Männchen des erfolglosen Paars, das Männchen des fütternden Paars zu attackieren. Darum entfernte Jürg Roth das erfolglose Paar. Das andere Paar zog daraufhin die fünf Jungen problemlos auf. Im anderen Frühjahr klappte es dann aber, und beide Paare zogen in der gleichen Voliere Junge auf. Sie wurden im Alter von 17 Tagen beringt und flogen mit etwa 35 Tagen aus. Die Eltern, besonders die Männchen, fütterten die Jungen noch weitere 14 Tage.
Lustig
Dr. Peter Dollinger gibt in seinem Zootierlexikon an, dass in Australien Grassitticharten wie der Feinsittich kaum gehalten werden. Während sie in Europa zu beliebten Volierenvögeln wurden, blieben sie offenbar in ihrer Heimat Australien, wo sie in der Natur herumfliegen, bei Vogelliebhabern weitgehend unbeachtet.
Namensgebung
Der deutsche Naturforscher Heinrich Kuhl führte den Feinsittich 1820 als Psittacus chrysostoma in die Wissenschaft ein. Kuhl verstarb bereits 1821 im Alter von 24 Jahren in Buitenzorg, heute Bogor im heutigen Westjava in Indonesien während einer Expedition. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Neophema wurde 1891 durch den italienischen Arzt und Ornithologen Tommaso Salvadori eingeführt.
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Besonderheit
Es ist sehr wichtig, dass Feinsittiche nicht mit dem fast identisch wirkenden Schmucksittich verpaart werden. Die beiden Arten haben zwar teilweise überschneidende Verbreitungsgebiete, und es ist nicht klar, warum es unterschiedliche Arten und nicht Unterarten sind. Ein kleines aber wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass beim Feinsittich das blaue Stirnband nur bis zum Auge reicht. Beim Schmucksittich (Neophema elegans) reicht es wenig über das Auge heraus. Schmucksittiche haben in der Regel auch leuchtendere blaue Stirnbänder.
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