Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Katharinasittich: sozialer und leiser Südamerikaner
Katharinasittiche gehören zu den bekanntesten Vertretern der Gattung der Dickschnabelsittiche. Sie eignen sich sehr gut zur Haltung im Wohnbereich. In Zimmervolieren können sie sogar im Schwarm gepflegt werden, denn sie sind sehr verträglich untereinander. Ein interessanter Pflegling mit dezenter Stimme, die niemanden stört.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Bolborhynchus lineola
Unterarten: Peru-Katharinasittich (B. l. tigrinus)
Herkunft: Zentralamerika und Südamerika entlang der Andenzüge von Venezuela bis nach Bolivien. Die Unterart kommt hauptsächlich in Südamerika vor.
Grösse: 16 cm
Wildfarbe: Gefieder in verschiedenen Grünnuancen mit schwarzer Strichelung
Mutationen: zahlreiche, wie türkis, olivgrün, lutino, violett und grauflügel
Geschlechtsunterschiede: Weibchen haben schmalere, schwarze Federsäume
Ringgrösse: 4 mm
Lebenserwartung: bis 15 Jahre
Platzansprüche: Käfig mit den ungefähren Massen von 1,60 x 50 x 1 Meter für vier Vögel, ideal aber ist eine Zimmervoliere.
Ausstattung: zahlreiche Äste zum Klettern
Stimme: plaudernde Rufe und lautere Kontaktrufe, welche die Lautstärke von Wellensittich-Geplauder nicht übersteigen
Haltung: paarweise oder im Schwarm, beispielsweise in einer Zimmervoliere
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Herkunft und Geschichte
Katharinasittiche in der Natur sind fast nicht zu sehen. Die kleinen grünen Papageien verschwimmen mit dem Blattwerk von Bäumen, beispielsweise im Braulio Carillo Nationalpark in Costa Rica. Dort wachsen Farnbäume, die rundlichen Hügel sind überzogen mit tropischer Vegetation. Katharinasittiche leben im subtropischen Bergwald in Höhen von 600 bis 3000 Meter über Meer und streifen dort paarweise oder in Gruppen von bis zu 30 Vögeln umher. An Schlafplätzen können sich aber auch über 100 dieser Vögel versammeln. Sie flitzen wie Geschosse aus den Baumkronen, denn sie fliegen schnell und direkt und unterhalten sich mit Kontaktrufen. Katharinasittiche streifen der Nahrung nach, das heisst, dass sie manchmal in gewissen Gebieten sehr häufig angetroffen werden können. Wo sie leben, schleichen Nebelschwaden den Hügelzügen entlang, Moose überwuchern Äste, zahlreiche Epiphyten klammern sich an den knorrigen Zweigen fest. Die Nebelschicht im subtropischen und tropischen Bergwald ist das Reich der Moose, Farne, Orchideen, Tillandsien und Bromelien. Katharinasittiche ernähren sich von Samen und Früchten der Bergregenwälder. 1886 kamen die ersten Importe von Katharinasittichen nach Europa, 1902 gelang die Erstzucht in Deutschland, genauer in Frankfurt.
Eignung als Heimtier
Katharinasittiche sind vorzügliche Heimtiere. Sie können sehr gut in der Wohnung gehalten werden. Ideal ist, wenn ein Schwarm in einer Zimmervoliere gepflegt werden kann. Diese zur Gattung der Dickschnabelsittiche gehörenden Vögel sitzen gerne eng zusammen und tauschen soziale Zärtlichkeiten aus. Dies zu beobachten ist wunderbar. Meist wird unter Menschenobhut die Nominatform gepflegt. Diese Art konnte nach Importen, die ab 1960 vermehrt vorgenommen wurden, recht schnell in den Volieren etabliert werden, so dass sich ein guter Bestand in Menschenhand bildete. Auch in der Natur scheint die Art nicht bedroht zu sein.
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Erwerb
Katharinasittiche können bei Züchtern, die Mitglieder der Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz sind, erworben werden. Vogelinserate werden auf der Webseite der Exotis publiziert. Zudem werden Katharinasittiche manchmal auch an Vogelbörsen angeboten.
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Ernährung und Pflege
Eine Zimmervoliere kann beispielsweise die ungefähre Grösse von 2 x 0,80 Meter x Zimmerhöhe aufweisen. Viele natürliche Äste ermöglichen den Katharinasittichen ein schönes und interessantes Leben. Manchmal werden sie als langweilig bezeichnet, dies völlig zu Unrecht. Was sollen denn sonst auch Vögel machen, die lediglich drei gedrechselte Sitzstangen in ihrer Behausung haben? Wenn die Zimmervoliere aber mit natürlichen Ästen ausgestattet ist und immer wieder mit frischen, belaubten Ästen bestückt wird, dann können Katharinasittiche ihr volles Verhaltensrepertoire ausleben. Sie klettern sehr gerne den Ästen entlang und sind äusserst aktiv, so dass sie ihr vielfältiges Sozialleben zeigen. Zu Beginn ist die Art meist zurückhaltend. Und wenn sie eine nicht ausreichend interessante Umgebung vorfindet, wird sie lethargisch. In einer gut eingerichteten Voliere, und insbesondere auch in Schwarmhaltung, ist das aber ganz anders. Da plaudern, rufen, klettern und kuscheln sie dauernd. Die Paarpartner bleiben meist den ganzen Tag zusammen. Darum ist es gut, wenn das Geschlechterverhältnis in der Voliere ausgeglichen ist. Allerdings finden auch Einzelvögel Anschluss und werden in der Gruppe integriert. Der direkte Körperkontakt ist für diese Sittiche sehr wichtig. Katharinasittiche sollten Obst und Gemüse, Gräser aus der Natur und trockene Sämereien gereicht werden, dies im Verhältnis 50 zu 10 zu 40 Prozent. Samen können zeitweise auch gekeimt gereicht werden. Der Stoffwechsel dieser Sittiche ist sehr rasant, so dass sie viel Nahrung verzehren und verwerten. Das heisst auch, dass viel Reinigungsaufwand betrieben werden muss. Der Kot ist von recht dünnflüssiger Konsistenz. Kolbenhirse ist für Katharinasittiche ein besonderer Leckerbissen. Mineralien und Grit müssen immer zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Auch eine Sepiaschale sollte stets am Gitter befestigt werden. Katharinasittiche können im Winter problemlos tiefe Temperaturen überstehen. Ein frostfreies Schutzhaus ist für sie bestens. Sie sollten eine Badeschale zur Verfügung haben. Gerne lassen sie sich auch berieseln. Eine andere Methode, wie sie baden, kann auch das Bespritzen frischer Laubäste sein. Die Sittiche reiben sich dann genüsslich badend durch das tropfende Laubwerk.
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Zucht
Wellensittichnistkästen werden gut angenommen von Katharinasittichen. Als Nistkasteneinlage eignen sich Hobelspäne oder Buchenholzschnitzel. Die Eianzahl kann zwischen zwei und acht liegen. Das Weibchen brütet meist fest und ungefähr 21 Tage lang. Es wird vom Männchen gefüttert. Erst wenn die Jungen etwa acht Tage alt sind, verlässt auch das Weibchen während längerer Zeit das Nest. Während der Jungenaufzucht sollte auch Hüttenkäse gereicht werden. Das verhindert, dass die Jungen rachitisch werden. Die Nestlingszeit dauert zwischen vier und sechs Wochen. Dann fliegen die Jungen aus. Bis zu drei Wochen nach dem Ausfliegen werden sie noch von den Eltern gefüttert. Der Familienverband bleibt aber zusammen, und oft übernachten alle noch lange nachher gemeinsam im Nistkasten.
Lustig
Es kommt sogar vor, dass sich zwei Paare einen Nistkasten teilen! Zudem helfen Junge und unbeteiligte Vögel auch beim Füttern von frisch geschlüpften Katharinasittichen. Dies zeigt, wie sozial diese Art ist. Nur während der Brutzeit sind die Sittiche etwas streitbarer.
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Namensgebung
Man könnte denken, dass dieser Sittich den Vornamen einer Frau trägt. Unwillkürlich taucht die Frage auf, wer denn Katharina war und wem sie so wichtig war, dass er einen Sittich nach ihr benannte. Der Name führt aber auf die falsche Fährte, denn hinter ihm versteckt sich keine Frau. Catarina ist die Bezeichnung in kreolischer Sprache für Sittich. Kreol ist aus unterschiedlichen Sprachen entstanden. In Mexiko wird der Katharinasittich beispielsweise Catarina listada genannt. Die Gattungsbezeichnung Bolborhynchus stammt vom Ornithologen Prinz Charles Lucien Bonaparte (1803–1857). Er begründete sie 1857. Der US-Amerikanische Ornithologe John Cassin verlieh 1853 den Artnamen lineola. Während Bolborhynchus so viel wie Knollenschnabel bedeutet, meint lineola «Strichlein», was auf das gestrichelte Gefieder hinweist.
Besonderheit
Besondere Aufmerksamkeit durch Züchter erhalten Farbmutationen bei den Katharinasittichen. So gibt es beispielsweise gelbe und blaue Vögel, um die auffallendsten Farben zu nennen. Ob der Begeisterung für die Farben sollte aber nicht vergessen gehen, dass wildfarbene Katharinasittiche immer auch konsequent rein gezüchtet werden, so dass sie unter menschlicher Obhut in ihrer Wildform erhalten bleiben.
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