Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Blaustirnamazone: grosse Persönlichkeit aus Südamerika
Blaustirnamazonen gehören zu den populärsten Amazonen überhaupt. Die typischen Charakteren kommen in der Natur in unterschiedlichen Lebensräumen vor und wurden früher in grossem Stil importiert. Heute wird die Art allerdings in der Schweiz nicht mehr häufig gezüchtet. Es sind laute Vögel, deren Haltung tolerante Nachbarn erfordert.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Amazona aestiva
Unterarten: Gelbflügel-Blaustirnamazone (Amazona aestiva xanthopterys)
Herkunft: Weite Teile des zentralen und südlichen Südamerikas, hauptsächlich in den Ländern Brasilien, Bolivien und Paraguay, teilweise auch in Argentinien
Grösse: 37 cm
Wildfarbe: grün im Gesamtgefieder dominiert, blaue Stirne, leuchtend rote Schwingen
Mutationen: Lutino, gelb, gelbgescheckt, zimt, oliv, rotgescheckt, blau und isabell.
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 11 mm
Lebenserwartung: 50, teilweise auch älter
Platzansprüche: Innenvoliere von ca. 2 x 2 x 2 Meter, idealerweise mit angrenzender Aussenvoliere
Ausstattung: zahlreiche frische Äste, Wurzelstöcke
Stimme: laute, gellende Schreie
Haltung: paarweise
Herkunft und Geschichte
Blaustirnamazonen bewohnen in ihrem grossen Verbreitungsgebiet sehr unterschiedliche Lebensräume. Einer davon befindet sich im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Warmer Wind säuselt um die roten Felsen im Gebiet Raso da Caterina in der Nähe der Stadt Canudos. Die Sonne ist im Begriff, am Horizont im Westen zu verschwinden, als über die kärgliche Vegetation ein Trupp Blaustirnamazonen fliegt. Die Region ist von grosser Trockenheit gezeichnet und wird im Brasilianischen als Caatinga bezeichnet, was so viel wie Dornenwald heisst. Blaustirnamazonen finden aber doch auch hier Samenkapseln an Sträuchern und Bäumen. Mangels kapitaler Bäume mit Höhlen nisten sie hier oft in Felshöhlen. Blaustirnamazonen sind anpassungsfähig, was ihren Lebensraum betrifft. Sie kommen auch im Cerrado, einem Trockenwald, in Palmensavannen und im tropischen Regenwald vor. Auch im Chaco von Paraguay fliegen sie umher, ebenfalls ein Gebiet mit Trockenvegetation. In ihren Lebensräumen streifen sie paarweise oder in kleinen Gruppen umher. Die roten Flügelfedern leuchten im Flug und dienen wohl als Orientierungshilfe für die geselligen Papageien. Die Art wurde schon im 19. Jahrhundert aus Brasilien ausgeführt, später dann in grossem Stil. Zu tausenden wurden Blaustirnamazonen als Heimvögel in Europa und den USA gehalten. Die Art gehörte zu den populärsten Amazonen in Menschenobhut. Es sind grosse Persönlichkeiten, die sich ihrem Pfleger eng anschliessen können. Heute ist die Haltung von Einzelvögeln gesetzlich verboten. Sie birgt Risiken, denn wenn Amazonen geschlechtsreif werden, ergeben sich oft Probleme, da sie aggressiv werden. Die paarweise Haltung ist artgerecht, denn so können sie sich miteinander beschäftigen.
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Eignung als Heimtier
Blaustirnamazonen sind reizvolle und interessante Papageien. Aufgrund ihrer lauten Stimmen kann die Haltung zu Problemen mit dem Nachbar führen. In Mehrfamilienhäusern ist die Haltung darum nicht zu empfehlen. Auch in Volierenanlagen im Garten können die lauten Schreie, die natürlicherweise in den frühen Morgen- und Abendstunden von sich gegeben werden, zu Lärmklagen führen.
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Erwerb
Über Züchterinnen und Züchter der Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz können Blaustirnamazonen-Nachzuchten gefunden werden. Es gibt allerdings nicht mehr viele Liebhaber, die Zuchtpaare halten und regelmässig Nachzuchten haben.
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Ernährung und Pflege
Die Hälfte der Nahrung für Blaustirnamazonen sollte aus Früchten und Gemüse bestehen. Als Samenmischung eignet sich eine Spezialmischung für Amazonen mit Getreide und Hülsenfrüchten. Sehr gut ist auch eine saisonale Fütterung mit Keimfutter. Keinesfalls sollte Amazonen eine generelle Papageienmischung gereicht werden, die aus vielen Sonnenblumenkernen besteht. Blaustirnamazonen verfetten mit einer solchen Ernährung. Freier Zugang zu einer Kalk- und Mineralienmischung sind selbstverständlich. Blaustirnamazonen lassen sich sehr gerne abbrausen. Sie reagieren positiv auf den Lärm des Staubsaugers. Die Luftvibrationen erinnern sie an Gewitter, so dass sich dann gerne absprühen lassen. In einer Aussenvoliere können sie auch mit einem Schlauch mit feinem Nieselregen bespritzt werden. Rauschendes Wasser vorab ist wichtig, denn das stimuliert sie zum Baden. Zusätzlich sollte eine Badestelle vorhanden sein, obwohl die Vögel es bevorzugen zu duschen.
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Zucht
Die Zucht der Blaustirnamazone gelang bereits 1886 erstmals in Frankreich, 1983 beschrieben die Schweizer Urs und Beatrice Scherrer die Zucht der Blaustirnamazonen ausführlich in der Zeitschrift «Gefiederter Freund» und erhielten dafür den Schweizer Erstzuchtpreis der EXOTIS. Blaustirnamazonen schreiten normalerweise erst ab dem dritten Lebensjahr zur Brut. Sie wählen Nistkästen von einer ungefähren Grösse von 25 x 25 Zentimeter Grundmass und einer Höhe von etwa 60 Zentimetern. Das Einschlupfloch sollte einen Durchmesser von 10 Zentimetern haben. Das Innere des Kastens sollte mit Holzschnitzeln und Stücken von morschem Holz ausgestattet sein. Dieses Holz wird vor einer Eiablage zernagt, was sehr stimulierend für die Vögel wirkt und dabei hilft, dass sie beide synchron sind, so dass es nicht zu einem unbefruchteten Gelege kommt. Bei Amazonen besteht oft die Gefahr, dass beispielsweise das Weibchen früher paarungsbereit ist als das Männchen. Es legt dann Eier, die unbefruchtet sind. Wird der Nistkasten mit morschem Holz gefüllt, sind beide Vögel damit beschäftigen, das Holz zu zernagen und Stücke aus dem Nistkasten zu werfen. Das kann helfen, dass sie beide gleichzeitig paarungsbereit werden. Meist werden zwei bis drei Eier gelegt, die knapp 28 Tage lang vom Weibchen bebrütet werden. Oft geht das Männchen auch in den Kasten, um seine Partnerin zu füttern. Die Jungen verlassen nach 50 bis 60 Tagen den Nistkasten. Nachher werden sie noch mehrere Wochen von den Eltern gefüttert, bis sie selbständig sind. Wenn Junge geschlüpft sind, sollte den Eltern Keimfutter sowie Hüttenkäse und Eifutter gereicht werden. Der Hüttenkäse wird meist sofort zuerst aufgenommen und an die Jungen weitergegeben. Er bewirkt, dass sie nicht rachitisch werden.
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Lustig
Blaustirnamazonen fächern beim Imponieren ihren Schwanz, sträuben das Nacken- und Kopfgefieder, lassen die Pupillen stecknadelgross werden und geben kehlige, gellende Schreie von sich. Vormals zahme Vögel verteidigen so auch ihren Partner oder das Gelege. Es ist dann Vorsicht für den Pfleger geboten, denn die Amazonen zögern nicht und greifen an.
Namensgebung
Den Artnamen aestiva wurde 1758 von Carl von Linné aus Schweden begründet. Es heisst in deutscher Sprache soviel wie «sommerlich». Die Gattungsbezeichnung wurde durch den Franzosen René Primevère Lesson 1830 eingeführt.
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Besonderheit
Die Ausdehnung der Blaufärbung auf der Stirn ist sehr unterschiedlich. Es gibt Blaustirnamazonen, die haben sogar einen blauen Kopf, andere weisen nur einen Hauch bläuliche Federn an der Stirn auf. Keine offizielle Unterart ist die Bahia-Blaustirnamazone. Sie hat einen goldgelben Latz mit rötlichen Federn.
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