Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Dunkelroter Ara: vielseitiger Tropenkönig mit sanftem Temperament
Dunkelrote Aras oder Grünflügelaras identifizieren alle Menschen sofort als Papageien. Sie sind gross, wunderbar farbig und lautstark. Die Südamerikaner gehören zu den grössten Papageien überhaupt, die von Panama im Norden Lateinamerikas bis nach Argentinien im Süden vorkommen. Unter Menschenobhut sind sie selten und wurden immer stiefmütterlich behandelt.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Ara chloroptera
Unterarten: keine
Herkunft: tropisches Lateinamerika von Panama bis Argentinien
Grösse: 90 cm bis zu 1 Meter
Wildfarbe: Dunkelrot, Dunkelgrün, weisse Gesichtsmaske, von roten Federchen durchzogen, weisser Ober- und schwarzer Unterschnabel
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 16 mm
Lebenserwartung: 40
Platzansprüche: In der Schweiz ist eine Voliere von 30 Kubikmeter Inhalt für ein Paar vorgeschrieben (Innenraum). Ideal ist eine angrenzende Aussenvoliere. Eine Temperatur im Winter von 7 °C ist ausreichend.
Ausstattung: zahlreiche Äste, Wurzelstöcke, Wasserbassin, Rindenschnitzel, Steine, Sand und Gras am Boden
Stimme: sehr lautes Krächzen und Schreien
Haltung: paarweise, Haltebewilligung durch das kantonale Veterinäramt erforderlich. Haltende müssen zuvor einen Sachkundekurs absolvieren.
Herkunft und Geschichte
Die Nacht gehört den Insekten. Sie zirpen, sirren und summen. Klebrige Luft wabert durch die Ufervegetation. Dunkel ziehen die Fluten des Rio Tambopata durch den amazonischen Tieflandregenwald im peruanischen Departemento Madre de Dios. Bald schon schneidet das kleine Holzboot durch das plätschernde Wasser – und landet knirschend auf einer Kiesbank im Fluss. Sobald der Motor ausgeschaltet ist, übernehmen wieder die Insekten die Geräuschkulisse. Nicht lange, denn im Osten zeichnet sich Morgenrot ab. Schon fliegen Papageien wie aus dem Nichts kreischend herbei. Ein neuer Tag im Regenwald beginnt. Die Lehmlecke von Tambopata ist ein grosser Anziehungspunkt, auch für Dunkelrote Aras. Schnell gleissen erste Sonnenstrahlen über die Andenkette im Osten und lassen die Felsen an der Flussbiegung in flammendem Rot erstrahlen.
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Es dauert nicht lange, und die ersten Dunkelroten Aras krallen sich daran. Sie flattern, krächzen und knabbern mit ihren wuchtigen Schnäbeln am bröselnden Gestein. Manche fliegen auch mit kleinen Erdklumpen im Schnabel davon. Die Erde enthält Mineralien, welche die Vögel benötigen, teilweise vermutlich auch zur Entgiftung. Sie nehmen nämlich im Regenwald viele unreife Früchte auf, die in diesem Zustand toxisch wirken. An der Lehmlecke finden sich die grossen, majestätischen und farbigen Papageien schwarmweise ein. Das Spektakel am Felsen dauert aber nur eine knappe halbe Stunde. Die Sonnenstrahlen werden greller und brennen auf die Flussbank und den Felsen. Die Papageien sind da längst weg. Wo sind sie hingeflogen? Das ist teilweise rätselhaft. Die Kronenschicht des Waldes zieht sich schier unendlich bis an den Horizont. Und da sitzt beispielsweise auch eine Familie, Vater, Mutter und Jungvogel, hoch im Geäst eines Baums im Spiel von Licht und Schatten zwischen dem Laub und im angenehmen Luftzug in der Höhe.
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Während des Tags sind Dunkelrote Aras paarweise oder als Familie zu beobachten. Die Reproduktionsrate dieser grossen Vögel, die als Erwachsene kaum noch Feinde haben, ausser dem Menschen, ist sehr gering. Dunkelrote Aras ziehen etwa alle zwei Jahre einen Jungvogel auf. Es ist sehr selten, dass zwei aufgezogen werden. Im Tieflandregenwald von Peru nisten sie in Baumhöhlen. Diese mit den Hyazintharas zu den grössten aller Papageien zählenden Aras sind aber flexibel, was ihren Lebensraum betrifft. Sie kommen beispielsweise auch im brasilianischen Bundesstaat Piaui im Nordosten des Landes in der Cerrado-Vegetation vor. Dabei handelt es sich um einen Trockenwald. Dort fehlen kapitale Bäume, aber es hat Felsenhöhlen, wo die Aras brüten. Auch im bolivianischen Madidi-Schutzgebiet nisten Dunkelrote Aras in Felsenhöhlen. Dunkelrote Aras waren bereits im 16. Jahrhundert in Europa bekannt. Der Schweizer Conrad Gesner schrieb bereits über diesen Papagei. Wohl erst im 19. Jahrhundert wurden Vögel längere Zeit in Europa gehalten. Bis in die 1980er Jahre wurden sie oft als Einzelvögel gepflegt. Die Erstzucht gelang nach Angaben von Dr. Franz Robiller (Papageien, Band 3, Ulmer-Verlag) 1926 im Zoo San Diego, USA. Eine der ersten Zuchten in Europa gelang 1962 in Grossbritannien bei einem privaten Züchter. In Zoologischen Gärten wurden sie früher auf Schauanlagen, oft mit gestutzten Schwingen, gezeigt, manchmal auch im Verbund mit anderen Aras. Auch im Zoo Zürich lebte auf der alten Pantanal-Anlage ein Paar mit gestutzten Schwingen auf einem Baum. Im Winter waren die Vögel im Innenraum des Ameisenbärs auf Ästen untergebracht. Zuchtbemühungen waren immer selten. Zuchten gelangen aber auch in der Schweiz in den 1990er bis in die 2000er Jahre. Heute sind Dunkelrote Aras praktisch aus der Haltung verschwunden. Auch in Deutschland sieht es nicht besser aus. Dort gibt die AZ, die grosse deutsche Vereinigung von Vogelhaltern, in ihrer Nachzuchtstatistik 2025 beispielsweise den Dunkelroten Ara gar nicht mehr an.
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Eignung als Heimtier
Dunkelrote Aras brauchen viel Platz und verhalten sich sehr laut. Kaum jemand in der Schweiz hat noch die Voraussetzungen, diese grossen Vögel gut unterzubringen. Sie können nur in einer separaten Anlage mit kombinierten Innen- und Aussenvolieren gehalten werden.
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Erwerb
Wer Dunkelrote Aras möchte, muss sich in europäischen Ländern nach ihnen umsehen. Die Anzeigen der Zeitschrift «Papageien» führen da beispielsweise weiter. In der Schweiz gibt es heute kaum noch Nachzuchten.
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Ernährung und Pflege
Dunkelrote Aras brauchen eine proteinreiche Ernährung. Als Grundfutter sollte eine Samenmischung für Aras gereicht werden. Sie besteht aus vielen verschiedenen Sonnenblumenkernen (schwarze, gestreifte und weisse), Melonenkernen, Kardi, Weizen, Mais, Zirbel- und Erdnüssen. Zudem brauchen Dunkelrote Aras Baumnüsse und Paranüsse. Im Frühling kann zudem ein Keimfutter verabreicht werden. Früchte und Gemüse aller Art sind sehr wichtig bei der täglichen Ernährung der Dunkelroten Aras. Die Vögel brauchen zudem Mineralien und Grit zur steten freien Aufnahme. Wenn sie die Wahl haben, lassen sie sich lieber beregnen, als dass sie in einem Bassin baden. Wichtig sind regelmässige Gaben von frischen Ästen aus dem Wald zum Nagen für die Aras.
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Zucht
Wer Dunkelrote Aras züchten will, sollte geduldig sein. Im südafrikanischen Vogelpark World of Birds in Hout Bay bei Kapstadt hat ein Paar, das mit gestutzten Schwingen in tropischer Vegetation lebte, erst nach acht Jahren Haltung aus einem Zweiergelege ein Junges grossgezogen. In den Vorjahren wurden lediglich unbefruchtete Gelege gezeitigt. Dunkelrote Aras akzeptieren Bretternistkästen, doch sie nisten auch in Nistkästen aus Beton, die quasi Felsen imitieren. Einen Auslöser zur Zucht bei zwei Paaren in der ehemaligen Voliere Hyacinthinus in Ittigen bei Bern war, dass sie während einigen Monaten im Winter aus ihren Volieren genommen und in zwei getrennte Volieren, die aber Sichtkontakt boten, gesetzt wurden. Als sie ab dem Frühling wieder zurück in ihren Zuchtvolieren waren, haben beide Paare mit dem Brüten begonnen. Meist werden im Abstand von zwei bis drei Tagen zwei Eier gelegt. Sie werden während 28 Tagen durch das Weibchen bebrütet. Das Männchen versorgt das brütende Weibchen mit Futter und übernachtet teilweise im Nistkasten. Bei den Jungen beginnen sich ab dem Alter von 17 Tagen die Äuglein zu öffnen. Wenn die Altvögel Junge zu versorgen haben, sollten sie zusätzlich mit Hüttenkäste und Eifutter gefüttert werden. Den Hüttenkäse geben sie jeweils sofort an die Jungen weiter. Er ist wichtig, damit sie nicht rachitisch werden. Im Alter von rund zwölf Wochen äugen die Jungen aus dem Nistkasten, und in der 13. Lebenswoche fliegen sie aus. Oft kehren sie während den ersten zehn Tagen nach dem Ausfliegen wieder in die Nistkästen zurück. Im Alter von 14 Wochen beginnen die Jungen damit, ihre ersten Baumnüsse selbst zu öffnen. Jungvögel sind am hornfarbenen Unterschnabel zu erkennen. Während des ersten Lebensjahrs färbt der Unterschnabel ins Schwarze um. Die Altvögel verhalten sich während der Brut- und Aufzuchtzeit sehr still und heimlich. Im Gegensatz zu Elternaufzuchten benötigen Handaufzuchten viel länger, bis sie selbständig Futter aufnehmen.
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Lustig
Im ehemaligen britischen Vogelpark Tropical Bird Gardens in Rode in der Nähe der Stadt Bath, Somerset, wurde ein Paar Dunkelrote Aras im Freiflug gehalten. Das Männchen Ric war ein besonderer Charakter. Ric wusste immer genau, wann und wo im Dorf und bei den Bauern entsprechende Früchte reiften. Als der Direktor Mike Curcon einmal per Auto von einer Tagesreise nach Hause zurück in den Vogelpark kehrte, sah er Ric in einem Baum an der Strasse nach Frome sitzen. Er hielt, stieg aus und rief überrascht und bestimmt: «Ric!». Sofort flog der Dunkelrote Ara auf und davon. Als der Direktor im Vogelpark anlangte und gleich in das Wäldchen zur Voliere von Ric ging, sass dieser bereits brav bei seinem Weibchen, als wäre nichts geschehen.
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Namensgebung
Die Art wurde 1859 durch George Robert Gray (1808 – 1872) in die Wissenschaft eingeführt. Gray war Verwalter der Vogelsammlung des Britischen Museums. Die Artbezeichnung «chloro» bedeutet «grün» und stammt aus dem Griechischen; «ptera» heisst in Griechisch «Flügel». Der Schweizer Conrad Gesner beschrieb die Art schon 1557, aber damals noch nicht nach den Regeln der Nomenklatur. Darum gilt er nicht als Erstbeschreiber.
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Besonderheit
Der Dunkelrote Ara ist ein besonderer Papagei, dem nie die Aufmerksamkeit zukam, die ihm gebührt. Die britische Vogelexpertin und Buchautorin Rosemary Low bringt das treffend auf den Punkt: «Dem Dunkelroten Ara wird selten genügend Wertschätzung angetan. Ich denke, dass er der am wenigsten gehaltene Vertreter der Aras ist. Seine Schönheit, das sanfte Temperament und seine Intelligenz machen aus ihm einen bemerkenswerten Vogel.» Aus Peru ist eine interessante Beobachtung aus einer Population bekannt, die in Felsen brütet. Drei Paare wurden näher observiert. Da stellte sich heraus, dass bei Abwesenheit der anderen beiden Paare, ein Paar auch deren Höhlen bewachte und vor Eindringlingen oder Feinden schützte.
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