Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Gubernatrix cristata
Unterarten: keine
Herkunft: Argentinien, Uruguay, Paraguay, Südbrasilien
Grösse: 20 cm
Wildfarbe: gelb-grün, deutliche schwarze Kehle, Haube
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: Während Männchen vornehmlich gelb sind, insbesondere auf der Brust, dominiert beim Weibchen ein gelbgrünliches Gefieder.
Ringgrösse: 3,5 mm
Lebenserwartung: ca. 10 Jahre
Platzansprüche: kombinierte Innen- und Aussenvoliere oder Innenvoliere von ca. 2 x 1,80 x 2 Meter für ein Paar
Ausstattung: natürliche Äste, Strauchdickichte, Sand und Kiesel am Boden
Stimme: Männchen singen kräftig und melodiös
Haltung: paarweise

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Herkunft und Geschichte

Der Wind fegt über die strauchartige Landschaft im Hinterland des kleinen argentinischen Küstenorts El Cóndor. Durch die gelbe Grassteppe stolziert eine grosse Herde Nandus. Die Laufvögel strecken ihre Hälse in das gelbe Gras, um nach Nahrung zu suchen. Zur Küste hin wuchern mannshohe Büsche mit silbrigen Blättern. Teilweise weisen sie Dornen auf. Manche sind salzverträglich, so wie beispielsweise Atriplex lampa. Der graublättrige Busch gedeiht auf kargen Böden. Regen fällt selten. Wenig nördlich mündet der Rio Negro in den Atlantik, so ziemlich die letzte Süsswasserquelle auf dem Weg weiter in den Süden des Kontinents. Hier fliegt der seltene Grüne Kardinal. 

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Er wird auch Grüntangare genannt, da er nach neusten Kenntnissen mit den Tangaren verwandt sein soll. Der Vogel mit attraktiver Federhaube ist bedroht in seinem Verbreitungsgebiet, weil er für den lokalen Käfigvogelhandel weggefangen wird. Männchen singen kräftig und melodiös. Zudem sieht der Vogel attraktiv aus. Im nördlichen Teil seines Verbreitungsgebiets ist die Vegetation weniger karg. Dort wachsen mehr Bäume, doch immer handelt es sich beim Lebensraum des Grünen Kardinals um trockene Savannen. In manchen Gebieten geht der Bestand der Art auch durch Übernutzung der Felder oder durch Abholzung der wenigen Bäume, so wie in Uruguay, zurück. Es ist nicht ganz klar, ob der Grüne Kardinal teilweise zieht. Erste Grüne Kardinäle kamen im 19. Jahrhundert nach Europa. Ein exaktes Ersteinfuhrjahr ist nicht bekannt. Der Altmeister der Vogelhaltung, Dr. Karl Russ, schrieb über die Art bereits 1895, und um 1890 muss sie schon im Berliner Zoo gehalten worden sein. Der Innenraum muss leidglich frostfrei sein. Im Lebensraum des Grünen Kardinals wird es teilweise auch kalt. Somit ist die Art frostverträglich.

Eignung als Heimtier

Der Grüne Kardinal wird nur von spezialisierten Züchterinnen und Züchtern gepflegt. Für den Spezialisten ist es eine geeignete Art. Es ist sinnvoll, sich auf die Haltung und Zucht einer bedrohten Art zu spezialisieren, viel Wissen zu sammeln und die Art unter menschlicher Obhut zu etablieren. Der Grüne Kardinal eignet sich hervorragend für ein solches Projekt. Es ist ein Ziel der Vogelhaltung, seltene Arten wie den Grünen Kardinal, unter Menschenobhut zu erhalten.

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Erwerb

Der Grüne Kardinal kann von spezialisierten Züchtern, die in den Verbänden Exotis und Ziervögel Schweiz vereint sind, erworben werden. Die Exotis Schweiz führt beispielsweise eine Bestandesliste. Dort kann Kontakt zu Halterinnen und Haltern aufgenommen werden.

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Ernährung und Pflege

Der Grüne Kardinal ernährt sich von Samen, Früchten und von Insekten. Die Art sollte mit einem Waldvogelfutter ernährt werden. Es besteht aus Rübsen, Leinsaat, Kanariensaat, Hanf, Hirse, Ramtillkrautsamen und Grassämereien. Das gleiche Futter wird auch Zeisigen verabreicht. In der Brutzeit sollte auch ein Keimfutter gereicht werden. Gurken, Äpfel, Birnen und Löwenzahn werden ebenfalls gerne genommen. Mehlwürmer und andere Insekten sollten regelmässig und insbesondere während der Zuchtzeit gereicht werden. Ein Mineralien- und Kalkgemisch sollte stets zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. 

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Zucht

Die Art kann durchaus paarweise in einer grossen Gemeinschaftsvoliere mit anderen, auch kleineren Arten gehalten werden. In der Voliere am Mythenquai in Zürich gelingt das gut. Dort wird die Art auch in den grossen kombinierten Innen- und Aussenvolieren gezüchtet. Mehr als ein Paar kann aber nicht in einer Voliere gehalten werden. In der Voliere am Mythenquai in Zürich hat die langjährige Leiterin Elisabeth Schlumpf beobachtet, dass plötzlich das Zuchtmännchen die eigene Tochter auserkoren und daraufhin das Weibchen verfolgt hat. Es musste herausgefangen werden, denn sonst wäre es getötet worden. Um Grüne Kardinäle aneinander zu gewöhnen, wird das neue Tier zuerst in einem Käfig in die neue Volierengemeinschaft eingeführt. So kann es in Ruhe die Umgebung und die neuen Mitbewohner kennenlernen. In der Voliere am Mythenquai hat das Paar Grüner Kardinal ein Nest aus Zweigen hinter einen Nistkasten gebaut, der in einer Mauernische stand. Wenn die Zuchtvoliere nicht so gross ist wie diejenige am Mythenquai, sondern herkömmliche Masse aufweist, dann muss ein Zuchtpaar einzeln gehalten werden. Ansonsten würden die anderen Mitbewohner behelligt. Meistens beginnt der Grüne Kardinal bei uns im April mit dem Nestbau. Er reagiert auf die zunehmende Tageslänge und auf die steigenden Temperaturen. Da er aus Zonen südlich des Äquators stammt, brütet er dort ab Oktober. Das Weibchen baut das Nest, das Männchen hilft dabei, Material heranzutragen. Zwei bis vier Eier werden während zwölf Tagen bebrütet. Die Nestlingszeit dauert nicht länger als 13 Tage. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch etwa drei Wochen von den Altvögeln gefüttert. Wenn die Altvögel die Jungen füttern, müssen sie ein reichliches Futterangebot zur Verfügung haben, bestehend aus frisch gehäuteten Mehlwürmern, Keimfutter, Gurke, Apfel und zerschnittenen Löwenzahnblättern. Das Futter sollte mit einem pulverisierten Mineralstoff- und Kalkpräparat bestreut werden. 

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Lustig

Die Art ist in der Natur und unter Menschenobhut selten, doch in der Schweiz ist sie recht gut vertreten, besonders in öffentlichen Einrichtungen. Während der Grüne Kardinal im grossen Deutschland in sechs Zoos gehalten wird, lebt er im ebenfalls grossen Frankreich gerade mal in einem Zoologischen Garten und im riesigen Russland wird er nur in einem Zoo gepflegt. Auch in der klassischen Vogelhalternation Grossbritannien wird die Art nur in einem Zoo gepflegt. In der kleinen Schweiz aber ist sie in vier öffentlichen Einrichtungen zu sehen. Nicht nur in den Zoos Basel und Zürich kann der Grüne Kardinal beobachtet werden, sondern auch in den kostenlos zugänglichen Stadtvolieren Winterthur und Zürich (Voliere am Mythenquai). In allen vier Schweizer Institutionen wird der Grüne Kardinal auch gezüchtet. Diese Informationen publiziert die Zootierliste. 

Namensgebung

Louis Pierre Vieillot beschrieb den Grünen Kardinal erstmals 1817. Der französische Ornithologe beobachtete viele Vögel auf seiner Nordamerika- und Karibikreise. Wegen der französischen Revolution musste er in die USA fliegen und verblieb dort zehn Jahre, bis er wieder nach Frankreich zurückkehren konnte. Die Gattungsbezeichnung wurde durch René Primevère Lesson 1823 eingeführt. Der Artname ist Lateinisch und bedeutet Kamm. 

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Besonderheit

Vielleicht auch aufgrund der grossen Dezimierung des Wildbestandes hybridisiert die Art heute in der Natur mit der Braunsteissdiuca (Diuca diuca), einem äusserlich ähnlichen Vogel, der aber ein gräuliches Grundgefieder mit weisser Kehle besitzt.