Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Deroptyus accipitrinus
Unterarten: Dunkelstirniger Fächerpapagei (Deroptyus accipitrinus fuscifrons)
Herkunft: Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien, Venezuela, die Unterart kommt nur südlich des Amazonas in Brasilien vor
Grösse: 35 cm
Wildfarbe: Nominatform mit weisser Stirn, der übrige Kopf ist braun mit weissen Federstrichen, grüne Schwingen, Kragen und Brust sind dunkelrot, teilweise grün und blau gesäumt. Die Stirne der Unterart ist dunkel befiedert. 
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 9,5 mm
Lebenserwartung: ca. 20 Jahre
Platzansprüche: Voliere ca. 3 x 2 x 2 Meter mit angeschlossenem Innenraum
Ausstattung: zahlreiche Äste aus der Natur, Wurzelstock
Stimme: machen selten davon Gebrauch, wenn, dann lautes stakkatoartiges Schreien
Haltung: paarweise, übernachtet gerne im Nistkasten

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Herkunft und Geschichte

Fächerpapageien führen ein heimliches Leben in der Kronenschicht des Regenwaldes. Sie sind zwar ausserordentlich farbenprächtig, wenn man sie auf einem Bild betrachtet. Doch im Astwerk von Bäumen sind sie durch ihr Gefieder perfekt getarnt. Sie leben dort, wo auch Epiphyten wie Bromelien, Tillandsien und Orchideen gedeihen. Ohne Fächer gleichen Fächerpapageien den Amazonen. Auf den ersten, flüchtigen Blick hat er gar Ähnlichkeiten mit der Kaiseramazone. Vom Verhalten her hat der Fächerpapagei aber auch Gemeinsamkeiten mit den Rotschwanzsittichen. Die britische Papageienexpertin Rosemary Low hat gar wenig Zweifel über die nahe Verwandtschaft mit Pyrrhuras. Über die systematische Stellung des Fächerpapageis im System der Zoologie wurde immer wieder unterschiedlich diskutiert. Auch zur Lebensweise in der Natur unterscheiden sich die Angaben in der Literatur. Manchmal wird vom Leben in kleinen Schwärmen berichtet, manchmal aber auch davon, dass Fächerpapageien paarweise unterwegs sind. Sicher ist, dass sie sich zur Brut als Paare absondern. Vielleicht haben Beobachter, die berichten, dass sie paarweise unterwegs sind, ein Brutpaar erspäht. Gemäss der Welt-Naturschutzunion IUCN ist die Art in der Natur nicht gefährdet. Allerdings scheint es doch schwierig zu sein, dies überhaupt abschätzen zu können, denn eine Zählung der Vögel im Freiland hat nie stattgefunden. Durch die erwiesenermassen weiträumige Lebensraumzerstörung wird auch der Bestand an Fächerpapageien tangiert. Beiträge mit Beobachtungen dieser Art im Freiland sind ausserordentlich selten in der Fachpresse zu finden. Insofern ist nicht klar, wie viele Fächerpapageien in der Natur überhaupt existieren. Der Fächerpapagei war bereits 1605 dem flämischen Arzt Clusius bekannt. 1754 besass die Maruise Pompadour einen Fächerpapagei, berichtet Dr. Franz Robiller in “Papageien”, Band 3. 1865 erhielt der Zoo von London die Art, 1875 und 1878 kamen zwei Fächerpapageien in den heute nicht mehr existierenden Zoo von Hamburg. Trotz der frühen Bekanntheit in Europa dieses Sonderlings unter den Papageien blieben Fächerpapageien aber immer grosse Raritäten in der Vogelhaltung. 1965 gelang die Welterstzucht im Broockfield Zoo in Chicago, USA. In den USA ist die Art häufiger bei Vogelzüchtern und Liebhaberinnen anzutreffen. Dort werden Fächerpapageien gar als zahme Vögel gehalten. 

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Eignung als Heimtier

Fächerpapageien sind interessante Pfleglinge, doch sie sind psychisch sehr anspruchsvoll. Diese Art tendiert rasch dazu, sich selbst das Gefieder zu rupfen, besonders in reizarmer Umgebung. Wer Fächerpapageien hält, muss ihnen viele, stetig wechselnde Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Eine Voliere mit zwei Sitzstangen ist sicher keine Lösung für diese Art mit hohen Haltungsansprüchen.

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Erwerb

Es ist heute sehr schwierig, in der Schweiz ein blutsfremdes Paar Fächerpapageien erwerben zu können. Im europäischen Ausland wird man eher fündig. Die deutsche Zeitschrift «Papageien» führt monatlich zahlreiche Inserate von Vogelzüchtern, die ab und zu auch Fächerpapageien anbieten. 

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Ernährung und Pflege

Als südamerikanische Tropenvögel ernähren sich Fächerpapageien von einer Samenmischung, wie sie auch Amazonen gereicht wird. Wichtig ist, dass sie vom Frühling bis in den Herbst die Samen auch gekeimt erhalten. Da sie sich in der Natur auch von Nüssen ernähren, können ihnen auch die proteinreichen Sonnenblumenkerne dosiert gereicht werden. Allerdings besteht der wichtigste Teil der Nahrung aus saisonalen Früchten und Gemüse. Drei Viertel der Nahrung sollte dies umfassen. Über das Keimfutter und über die Früchte sollte ein Kalk- und Mineralienpulver gestreut werden. Grit zur freien Aufnahme für den Muskelmagen sowie Sepiaschalen zum Nagen gehören ebenfalls dazu. Fächerpapageien sollten ein Badegefäss in ihrer Voliere haben. Meist lassen sie sich aber lieber abregnen. Wasser kann aus einer Brause oder durch eine Sprinkleranlage rieseln. Die Papageien brauchen zuerst eine gewisse Zeit, damit sie das Rauschen stimuliert.

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Zucht

Ein Fächerpapageien-Paar lebte in der ehemaligen Voliere Hyacinthinus in Ittigen bei Bern in einer Innenvoliere von 2 x 1 x 2 Meter und hatte einen an der Rückwand angebrachten Bretternistkasten sowie einen seitlich angebrachten Naturstammnistkasten zur Verfügung. Die Vögel bevorzugten den Naturstammnistkasten und zeitigten darin sogar ein Dreiergelege. Als Einlage dienten Buchenholzschnitzel und morsche Baumstücke, welche von den Fächerpapageien zernagt wurden. Die Eier waren aber nicht befruchtet, und es kam auch in den Folgejahren nie zur erfolgreichen Zucht, obwohl das Paar harmonierte und in guter Kondition war. Beide Vögel waren perfekt befiedert und erhielten immer wieder belaubte Äste zum Nagen. Davon machten sie erstaunlicherweise nur spärlich Gebrauch, obwohl in der Literatur stellenweise auch berichtet wird, dass es starke Nager sind. Auf jeden Fall verhalten sie sich sehr verspielt und turnen gerne in Ästen herum. Der Fächerpapagei ist eine sehr anspruchsvolle Art in der Zucht. Zuchtpaare werden allgemein als aggressiv beschrieben. Es soll auch vorkommen, dass Männchen Weibchen verletzen oder gar töten. Das Paar in der Voliere Hyacinthinus zeigte nie auch nur die geringsten Anzeichen von Disharmonie und sass meist gar in Körperkontakt zusammen. Es kann sein, dass aggressives Verhalten bei Paaren auftritt, die willkürlich zusammen gestellt wurden und deren Partner sich nicht mögen. Die Brutzeit dauert 26 Tage. Ab dem Schlupf sollte den Eltern auch Hüttenkäse gereicht werden. Er ist reich an Kalzium, was gut für den Knochenaufbau der Jungen ist. Wegen Aufzuchtproblemen werden Fächerpapageien oft von Hand aufgezogen. Es gibt aber durchaus Paare, welche ihre Jungen selber aufziehen. Nach neun bis zehn Wochen Nestlingszeit fliegen die Jungen aus und werden nachher noch einige Wochen von den Eltern gefüttert, bis sie selbständig sind. Dann müssen sie von den Altvögeln getrennt werden, da sie damit beginnen, den Nachwuchs wegzujagen.

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Lustig

Die bekannte britische Papageienspezialistin Rosemary Low besass ein Zuchtpaar Fächerpapageien, das sie als Kuratorin des Palmitos Parks auf Gran Canaria in der Zuchtanlage des Parks pflegte und schliesslich zurück nach England nahm. Sie hat die Art auch von Hand aufgezogen und musste das Junge einzeln halten, da sich andere Papageienjunge zu Tode erschreckten, als der heranwachsende Fächerpapagei seine Nackenfedern sträubte. sie bezeichnet den Fächerpapagei als reizenden Vogel von eigenartiger Schönheit und empfindet für die Art eine besondere Zuneigung.  

Namensgebung

Der Fächerpapagei wurde erstmals wissenschaftlich 1758 von Carl von Linné beschrieben. Der Schwede begründete das zoologische System der Nomenklatur. Die Artbezeichnung accipitrinus ist lateinisch und bedeutet «adlerartig». Der Gattungsname wurde 1832 vom deutschen Zoologen Georg Wagler eingeführt. Deroptyus heisst so viel wie Tröpfchen. 

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Besonderheit

Als einzige Papageienart haben Fächerpapageien einen Rundkragen, den sie aufrichten, wenn sie bedroht werden. Sie jagen damit anderen Papageien einen grossen Schrecken ein, wenn sie dieses Verhalten zum ersten Mal sehen. Der Kragen dient wohl auch als Abschreckung von Feinden in der Natur. Grundsätzlich sträuben Papageien das Gefieder bei Unbehagen oder wenn sie drohen und machen sich so grösser und eindrücklicher. Nur Fächerpapageien haben aber einen solch eindrücklichen Kragen. In der Schweiz können Fächerpapageien lediglich im Vogelpark Ambigua in Zeihen (AG) beobachtet werden, in Deutschland lediglich im Weltvogelpark Walsrode und in Frankreich nur im ZooParc de Beauval in Saint Aignan. Das zeigt: Diese exotischen Persönlichkeiten sind grosse Raritäten in der Haltung.