Ziervogellexikon|Dieser Artikel gehört zum Dossier: Ziervogellexikon
Silberschnäbelchen: ein Winzling erobert die Züchterherzen
Das Silberschnäbelchen ist ein lieblicher, kleiner Vogel aus Afrika. Paare sitzen oft mit engem Körperkontakt nebeneinander. Diese afrikanische Art verträgt sich gut mit anderen Prachtfinkenarten und schreitet bereitwillig zur Brut.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Euodice cantans
Unterarten: Euodice cantans cantans, verbreitet von Mauretanien und Senegal südlich der Sahara bis zum Weissen Nil in Sudan. Euodice cantans orientalis, verbreitet im östlichen Sudan durch Äthiopien ostwärts bis ins westliche und südliche Arabien sowie in Ostafrika wie Uganda, Kenia und Teile Somalias.
Herkunft: Afrika, teilweise auch Arabien
Grösse: 11 cm
Wildfarbe: Gefieder in Brauntönen, hellbrauner Kopf, dunkelbraune Schwingen und ebensolcher Schwanz, dunkelbrauner bis schwarzer Bürzel, weissliche Brust
Mutationen: braun, dunkelbraun, isabell und weitere Farbformen
Geschlechtsunterschiede: die Geschlechter sind fast identisch. Nur das Männchen singt und balzt mit einem Halm im Schnabel.
Ringgrösse: 2,5 mm
Lebenserwartung: 5 bis 10 Jahre
Platzansprüche: für ein Paar ein Käfig von 1,20 x 0,50 x 1 Meter, Zimmervoliere oder kombinierte Innen- und Aussenvoliere
Ausstattung: Äste, im Sommer auch mit Laub, Sand am Boden
Stimme: hell, perlend und schnurrend
Haltung: paarweise, in der Gruppe oder gemeinsam mit anderen friedlichen Arten
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Herkunft und Geschichte
Das Silberschnäbelchen wird seit Ende des 18. Jahrhunderts in Europa unter Menschenobhut gepflegt. Es gehört zu den wenigen Prachtfinkenarten Afrikas, die sich bald auch in der Vogelhaltung vermehrten. Es hat sich somit schnell die Herzen der Liebhaberinnen und Liebhaber erobert. Heute verträgt dieser Prachtfink auch kühlere Temperaturen. Er sollte aber immer ein Schutzhaus mit einer Mindesttemperatur von 10 °C aufsuchen können. Grundsätzlich ist sich das Silberschnäbelchen tiefere Temperaturen auch von seinem Verbreitungsgebiet her gewohnt, beispielsweise aus dem Hochland Äthiopiens.
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Am Stadtrand der Hauptstadt Addis Abeba in Gelan Byanch zieht sich die Siedlung Kality Condomium in die Weite. Am Ende der Strasse befindet sich eine grosse Grube, wo Kies abgebaut wird. Am Rand gedeihen auf dem trockenen Boden Gräser. Die Farbtöne des Bodens und der Vegetation liegen alle in goldgelb bis dunkelbraun. Da sind die gleich gefärbten, kleinen Silberschnäbelchen kaum auszumachen. Sie fliegen distelartige, trockene Blumen an. Weiter unten schichtet ein Bauer das äthiopische Getreide Tef, eine Zwerghirsenart, zu Garben auf. Fast bei jeder Mahlzeit essen die Äthiopier Fladenbrot, das aus Tef gebacken wird. Da fallen immer auch Körnchen für die Winzlinge ab, die da umherfliegen, die kleinen Silberschnäbelchen. Sie sind in Trockensteppen Afrikas verbreitet von Senegal im Westen bis nach Kenia im Osten. Sogar auf der südlichen arabischen Halbinsel kommen sie vor.
Eignung als Heimtier
Silberschnäbelchen sind sehr geeignete Vögel zur Haltung. Sie zeigen ein interessantes und rührendes Sozialverhalten. Sie sind gut zu halten im Wohnbereich in einer Zimmervoliere. Dort entfalten sie ihre Verhaltensweisen besser als in einem Käfig.
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Erwerb
Silberschnäbelchen können an Vogelbörsen oder direkt beim Züchter erworben werden. Züchter sind Mitglieder der Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz. Die Exotis führt auch eine Bestandesliste.
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Ernährung und Pflege
Silberschnäbelchen sollten mit einem Exoten-Körnergemisch als Grundnahrung versorgt werden. Daneben mögen sie Kolbenhirse. Auch Kräuter aus der Natur sind äusserst beliebt so etwa Vogelmiere, Löwenzahn und die Samenstände der Wildgräser. Zudem können Apfel, Gurke und geraffelte Rüebli gereicht werden. Während der Aufzuchtszeit der Jungen sollte Körnerfutter auch gekeimt gereicht werden. Silberschnäbelchen benötigen kaum animalische Kost. Ein Eifutter genügt. Zudem sollte immer ein Kalk- und Mineralstoffpräparat zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Auch Grit gehört in die Voliere.
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Zucht
Während Silberschnäbelchen ihre Nester in der Natur in Dornbüschen oder Bäumen bauen, nehmen diejenigen unter Menschenobhut gerne halb offene Nistkästchen an, in die sie ihre Nester aus trockenem Gras und Kokosfasern bauen. Silberschnäbelchen in der Natur und unter Menschenobhut können gemäss Literaturangaben sehr produktiv sein. Bis zu fünf Jahresbruten mit bis zu 25 Jungen sind bekannt. Jeanine Moulin aus Boudry (NE) züchtet schon lange Silberschnäbelchen. Sie hat auch schon die Erfahrung gemacht, dass nicht immer aus allen Eiern Junge schlüpften. „Das will aber nichts heissen“, sagt die erfahrene Züchterin, die weiss, dass in anderen Jahren wieder alle ausschlüpfen. Sie lässt allerdings bei ihren Vögeln höchstens zwei Bruten zu, um sie nicht unnötig zu schwächen.
Ihr System, die Vögel ausserhalb der Brutzeit in grossen Volieren zu pflegen, entspricht dem natürlichen Verhalten der Prachtfinken. Auch in ihrer afrikanischen Heimat schliessen sie sich wieder zu Schwärmen zusammen. Und zudem bietet das die Möglichkeit, dass sich Paare selber finden können. Sie sind dann während Jahren zusammen, suchen beide nach einem geeigneten Nistplatz und bauen auch gemeinsam das Nest.
Drei bis sechs Eier werden gelegt und bis zu 14 Tage abwechselnd von beiden Partnern bebrütet. Die Nestlingszeit dauert bis zu 23 Tage, dann fliegen die Jungen aus und beginnen schon bald mit der selbständigen Nahrungsaufnahme. Die Familie sucht aber immer wieder das Nest auf, besonders auch bei Störungen. Es ist ein grosser Vorteil dieser Art, dass die Vögelchen sehr verträglich untereinander sind. So werden Silberschnäbelchen auch gegenüber artfremden Prachtfinken nicht aggressiv. Wer einen Schwarm in einer kombinierten Innen- und Aussenvoliere pflegen kann, dem eröffnen sich viele interessante Verhaltensweisen.
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Lustig
Silberschnäbelchen bildeten sogar den Anfang von Frankreichs grösstem Zoo, dem Zooparc de Beauval in Saint-Aignan im Département Loir-et-Cher. Alles begann mit François Delord (1940–2021), die immer eine Affinität zu Tieren hatte und einst in Paris wohnte. Sie entdeckte ihre Liebe zu Vögeln Anfang der 1970er Jahre. Es war etwa drei Jahre, bevor ihre Tochter Delphine geboren wurde, als François Delord bei einem Wettbewerb zwei Silberschnäbelchen gewann. Die Käfige für diese beiden Vögel wurden immer grösser. Zunehmend zogen mehr Vogelarten ein – bis sie dann beschloss, einen Vogelpark zu gründen. Daraus ist der Zooparc de Beauval geworden. Was Silberschnäbelchen bewirken können!
Namensgebung
Das Silberschnäbelchen wurde bereits 1789 von Johann Friedrich Gmelin (1748-1804) in die Wissenschaft eingeführt. Gmelin war deutscher Arzt und Naturwissenschaftler und hatte seinen Lebensmittelpunkt in Göttingen. Die lateinische Artbezeichnung cantans beudetuet «singen». Die Gattung der Fasänchen (Euodice) wurde von Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbarch 1862 aufgestellt.
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Besonderheit
Silberschnäbelchen können auf den ersten Blick mit der asiatischen Schwesterart, dem Malabarfasänchen, verwechselt werden. Sie sehen fast identisch aus, doch Malabarfasänchen haben einen weissen Bürzel im Vergleich zum schwarzen des Silberschnäbelchens. Das ist das einfachste Unterscheidungsmerkmal.
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